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Die Frau, die nicht mit Männern spielen durfte

Wolfsburg (dpa) - 30.06.2011, 11:19 Uhr

Maribel Domínguez (M) im Zweikampf mit den Engländerinnen Fara Williams (l) und Faye White.
Maribel Domínguez (M) im Zweikampf mit den Engländerinnen Fara Williams (l) und Faye White.

Maribel Domínguez hat FIFA-Chef Sepp Blatter erzürnt. Die Mexikanerin wollte in einem Männer-Team spielen, der Vertrag war bereits unterschriftsreif. Doch der Fußball-Weltverband verhinderte ihren Einsatz. Jetzt spielt sie bei der WM.

Die alte Geschichte ist ihr inzwischen ein bisschen unangenehm, fast schon lästig. «Über die hitzigen Diskussionen über Frauen in Männerteams lächele ich heute nur noch milde», sagte Maribel Domínguez schließlich. Und fügt an: «Das war einfach verrückt damals.»

Recht hat sie, es war eine verrückte Geschichte, damals vor sieben Jahren. Mexikos beste Fußballspielerin wollte bei den Männern spielen, notgedrungen, beim Zweitligisten Atletico Celaya. Die zierliche Mexikanerin trainierte einige Male mit den Männern, der Vertrag lag bereit, es gab einen ordentlichen Medienrummel. Doch dann schritt FIFA-Chef Sepp Blatter ein.

«Es gab keine angemessene Liga für mich in Mexiko», erklärt die inzwischen 32 Jahre alte Spielerin, die den schönen Spitznamen «Marigol» trägt. Gol heißt Tor auf spanisch, und sie hat schon als kleine Maribel viele Goles geschossen.

«Auch in den USA war nichts zu machen», die dortige Women's United Soccer Association (WUSA) war pleite. Die aus einem Armenviertel von Mexiko City stammende Spielerin musste aber mit dem Fußball Geld verdienen, um die große Familie mit neun Kindern und einem verschwundenen Vater zu unterstützen. Ein Haus hatte sie ihrer Mutter versprochen, die anfangs die Fußball-Laufbahn der Tochter verhindern wollte und ihr das Spielen mit den Jungs verboten hatte.


Der Boss des Weltverbandes FIFA griff 2004 höchstpersönlich ein, Blatter verlangte «eine klare Trennung zwischen Männer- und Frauen-Fußball». Das FIFA-Nein verschlug Maribel Domínguez nach Spanien und unterbrach zugleich ihre Länderspiel-Karriere. Über den FC Barcelona kam sie zum katalanischen Club Unió Esportiva L'Estartit, für den sie gerade die dritte Saison in der Superliga absolvierte. Die Reisen zu den Länderspielen Mexikos waren weit und von den Arbeitgebern nicht gerne gesehen.

Für die WM in Deutschland kehrte die überragende Mexikanerin zurück. Sie schoss ihr Team zur Endrunde. «Mit der Qualifikation, fünf Spiele, sechs Tore, habe ich gezeigt, dass ich immer noch die alte bin», sagt die Spielerin jetzt: «Spanien hat mir gut getan.»

Maribel Domínguez hat einen unbändigen Willen, der ihre Karriere erst ermöglichte, die heimlich bei den Jungen unter dem Namen «Mario» begann. Wunderbar zu beobachten war das bei Mexikos erstem WM-Spiel in Deutschland, dem 1:1 gegen England. Mit einem Muskelkrampf lag sie in der Schlussphase bereits auf einer Trage, die Auswechslung war angezeigt - aber die kleine Kämpferin sprang noch einmal auf, versuchte es noch einmal.

Das Aufbäumen war vergeblich, aber für das Spiel am Freitag gegen Japan ist sie wieder fit. Sie wird auf jeden Fall spielen, auch wenn ihre Leistung gegen England nicht berauschend war. «Sie ist die Führungsspielerin, sie bringt die Mannschaft zusammen», sagt Leonardo Cuéllar. «Sie ist die, die am meisten verlangt, auch außerhalb des Trainings.» Beim Trainer ist sie so oder so eine Spielerin mit Ausnahmestellung.

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