Berlin (dpa) - 30.06.2011, 09:44 Uhr
Frauenfußball taugt immer noch als Vorlage für Macho-Sprüche. Selbst moderne Männer sind davor nicht gefeit. Warum bloß?
Nicht nur, dass Frauen wählen gehen dürfen und im Kanzleramt sitzen. Sie spielen jetzt auch noch Fußball, und zwar ziemlich gut. Das hat einen merkwürdigen Effekt. Selbst moderne Männer, die gerne ihre Kinder wickeln und mit leuchtenden Augen in die Elternzeit gehen, können sich zur Fußball-WM in Chauvis verwandeln. Frauenfußball ist eine der letzten Bastionen für den gepflegten Herrenwitz. Im Büro oder in der U-Bahn hilft: Ohren auf Durchzug.
Was könnte dahinterstecken? Vielleicht der Gedanke an einen Trikot-Tausch oder der ungewohnt prominente Sendeplatz, den Frauenfußball auf einmal im Fernsehen hat. Das Spiel sieht anders aus als bei den Männern. Außerdem ist Frauenfußball eine der wenigen Sportarten, bei der sich hartnäckig der Geschlechtervergleich hält. «Wie Kreisklasse bei den Männern» ist da noch eine nette Variante.
Das alles erinnert an das Stammtisch-Brodeln, das Carmen Thomas als erste Moderatorin einer deutschen Sportsendung auslöste, nur weil sie sich mit «Schalke 05» verhaspelte. Das war 1973. Im Internet kann man sich passend zur Debatte einen Schwarz-Weiß-Clip ansehen, in dem Wim Thoelke als «Sportstudio»-Moderator Frauen beim Kicken kommentiert: «Nicht Tisch decken! Mann decken...»
Dass Frauenfußball gut 40 Jahre nach diesen Anfängen immer noch als Vorlage für Macho-Sprüche dient, stimmt nachdenklich. Frauen neigen eindeutig zu weniger Häme: Wer würde sich über einen heulenden Michael Ballack auf dem Rasen lustig machen?