Mutiger Geheimfavorit: Japan träumt vom Titel
Bochum (dpa) - 26.06.2011, 11:14 Uhr
Japans Nationaltrainer Norio Sasaki spricht vom Gewinn des WM-Titels.
Die bisherige WM-Bilanz ist äußerst bescheiden, das Selbstvertrauen jedoch beachtlich groß. «Wir wollen den Titel holen», tönte Trainer Norio Sasaki vor dem ersten WM-Spiel der japanischen Frauen-Nationalmannschaft am Montag in Bochum gegen Neuseeland. Die Zeiten, als solch forsche Töne aus dem Kreis der «Nadeshiko» von der Konkurrenz belächelt wurden, sind vorbei. Spätestens seit dem Aufstieg auf Rang 4 der FIFA-Weltrangliste werden die Japanerinnen vielerorts als Geheimfavorit gehandelt. Die Mannschaft mit den Bundesliga-Legionärinnen Kozue Ando (FCR Duisburg), Yuki Nagasato (Turbine Potsdam) und der künftigen Frankfurterin Saki Kumagai (Urawa) hat sich in den vergangenen Monaten reichlich Respekt erworben. So gelangen beim Algarve-Cup im vorigen März Siege gegen solch renommierte Teams wie Norwegen (1:0) und Schweden (2:1).
Doch die Freude über den dritten Platz beim Turnier in Portugal währte nur kurz. Nur wenige Tage später sorgten ein Erdbeben, ein Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima für Entsetzen. Von einem geordneten Spielbetrieb in der heimischen Liga konnte seither nicht mehr die Rede sein. Nagasato hofft, zur Aufbesserung der Stimmung in der Heimat beitragen zu können. «In Japan gibt es nur schlechte Nachrichten. Ich muss Japan jetzt gute Nachrichten geben», sagte die Leistungsträgerin des Deutschen Meisters aus Potsdam der «Süddeutschen Zeitung». Mit einer besonderen Geste wollen sich die Japanerinnen während der WM für die weltweite Hilfe nach der Naturkatastrophe vor drei Monaten bedanken. Beim Einlaufen in die Stadien werden sie ein Banner mit der Aufschrift «An unsere Freunde auf der ganzen Welt. Danke für die Unterstützung» tragen. Zudem wird in den Stadien eine Mitteilung verlesen: «Die unermüdliche Unterstützung und Kooperation der gesamten Fußballfamilie beim Wiederaufbau des Landes haben uns gerührt und ermutigt.» Die bisherigen WM-Teilnahmen sprechen nicht unbedingt für eine erfolgreiche Mission. Zwar nimmt Japan als einziges asiatisches Land zum sechsten Mal in Serie an einer FIFA-WM teil, konnte sich aber 1995 erst einmal für ein Viertelfinale qualifizieren. Mehr Mut machen die guten Leistungen beim olympischen Fußballturnier 2008 in Peking, als das Team nach einer abschließenden 0:2-Niederlage gegen Deutschland Rang vier belegte. «Hoffentlich schaffen wir es diesmal durch das Halbfinale, um dann den Gipfel zu erreichen», sagte Trainer Sasaki.
|