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DFB-Elf startet WM-Mission ohne Bammel vor Rekord

Berlin (dpa) - 25.06.2011, 19:12 Uhr

Verena Faißt (M) und Fatmire Bajramaj (r) dehnen sich im Kreise ihrer Teamkolleginnen.
Verena Faißt (M) und Fatmire Bajramaj (r) dehnen sich im Kreise ihrer Teamkolleginnen.

Lust am Rekord statt Bammel vor 73 680 Zuschauern: Angeheizt von der europäischen Spitzenkulisse im Berliner Olympiastadion starten Deutschlands Fußball-Frauen ihre Gold-Mission bei der Heim-Weltmeisterschaft.

Ein erfolgreicher Auftakt gegen Kanada soll den ersten Adrenalinschub auf dem Weg zum angestrebten dritten WM-Triumph in Serie bringen. «Die Stimmung im Team ist gut. Und es fängt langsam an zu kribbeln», sagte Bundestrainerin Silvia Neid. Wie ihre Spielerinnen sehnt sie nun das Eröffnungsspiel herbei.

«Wir sind froh, dass es endlich losgeht. Wir haben uns lange vorbereitet und wollen nun zeigen, was wir trainiert haben», meinte Neid, die 24 Stunden vor dem WM-Auftakt gelöst und locker wirkte. Dass das Stadion voll sei, empfindet sie wie auch ihre Spielerinnen nicht als Belastung. «Es ist die pure Freude, weil ich vollstes Vertrauen in meine Mannschaft habe. Von daher werde ich mich im Spiel relaxed zurücklegen». Und kurz vor der Partie überlässt sie die letzte Ansprache in der Kabine einer Spielerin. Wer das sein wird, weiß Neid noch nicht. «Aber ich werde eine auswählen, die es besonders gut kann.»

Beim Abschlusstraining am Samstagabend im noch leeren Olympiastadion nahmen bis auf Stürmerin Martina Müller, die wegen einer Oberschenkelzerrung ausfällt, alle DFB-Akteurinnen teil. «Aber am Sonntag ist das Stadion rappelvoll», freute sich Abwehrspielerin Babett Peter, die wie einige Mitspielerinnen die große Arena nur von früheren Pokalfinals kennt, als die Frauen das Spiel vor dem Männerfinale bestritten. «Jetzt kommen alle wegen uns», betonte Rekordnationalspielerin Birgit Prinz. «Deshalb ist es für mich ein absolutes Highlight.» Noch nie sahen mehr Zuschauer außerhalb der USA ein Frauen-Fußballspiel des Weltverbands FIFA.

Bei den Proben zur elfminütigen Eröffnungsfeier blickte Kim Kulig von der Tribüne bereits mit großen Augen auf das Spektakel vor noch leeren Rängen. «Ja krass, oh mein Gott. Und das machen die alles für uns?», fragte die Mittelfeldstrategin ungläubig und sprach sich selbst Mut zu. «Wird schon. Das wird uns beflügeln, glaub ich.»


Angesichts der erwarteten Begeisterung soll die Euphorie gegen den Weltranglistensechsten aus Nordamerika nicht zum Hemmnis werden. Die Dienste des Teampsychologen Arno Schimpf will Nadine Angerer dennoch nicht in Anspruch nehmen. «Ich wüsste nicht, wie man sich drauf vorbereiten soll. Wir können ja nicht mal eben 75 000 Zuschauer ins Stadion einladen und proben. Es ist cool. Ich versuche jede Sekunde aufzusaugen und es zu genießen», meinte die Torhüterin, die bei der WM 2007 in China die kompletten 540 Minuten ohne Gegentor geblieben war.

Auch zwei weitere Serien will die DFB-Elf fortsetzen. Noch nie verlor die deutsche Auswahl einen WM-Auftakt und ist seit dem Viertelfinal-Aus gegen die USA 1999 in zwölf WM-Spielen bei elf Siegen ungeschlagen. Zudem ist die Bilanz gegen Kanada bei neun Erfolgen aus neun Partien ohne Makel. «Ein Sieg zum Auftakt wäre enorm wichtig, um gut in das Turnier hinein zu finden», meinte Neid, die ihr Team mehr als zehn Wochen auf die WM vorbereitet hatte. «Aber je nach Spielverlauf muss man vielleicht sogar mit einem Unentschieden zufrieden sein».

Besonders Christine Sinclair sorgt als Topstar der «Big Red» mit der Ausnahmebilanz von 116 Toren in 159 Länderspielen für großen Respekt. «Die Kanadierinnen spielen mutig und sind kampfstark. Und dann haben sie mit Christine Sinclair auch noch eine pfeilschnelle Stürmerin, die zu den Besten der Welt gehört», warnte Ariane Hingst vor der 28-Jährigen, die aber zuletzt in fünf Partien nicht mehr traf.

Die Rekordtorschützin auf deutscher Seite wartet auch schon seit vier Spielen auf ein Erfolgserlebnis. Dennoch gab sich Birgit Prinz vor ihrer fünften Weltmeisterschaft gelöst und locker. «Aber die Anspannung kommt. Das muss auch sein, damit man Leistung bringen kann», sagte die 33-Jährige, die am 17. Juli «gern mit dem Pokal abtreten» würde.

Das Objekt der Begierde traf am Samstagmorgen per Zug in der Hauptstadt ein, zur Eröffnungsfeier wird neben FIFA-Präsident Joseph Blatter und UEFA-Chef Michel Platini auch deutsche Politprominenz um Bundespräsident Christian Wulff und Angela Merkel erwartet. «Deutschland hat eine sehr erfolgreiche Männer-Weltmeisterschaft als Gastgeberland ausgetragen, und jetzt wollen wir das mit den Frauen der Welt wiederholen», sagte die Kanzlerin.

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