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Die deutschen WM-Spielerinnen: Annike Krahn

21.06.2011, 09:17 Uhr

Annike Krahn spielt in der Abwehr mit der Rückennummer 5.
Annike Krahn spielt in der Abwehr mit der Rückennummer 5.
Name:Annike Krahn
Geburtsdatum:1. Juli 1985
Geburtsort:Bochum
Größe:1,73 m
Position:Abwehr
Trikotnummer:5
Verein:FCR Duisburg
Frühere Vereine:TuS Harpen, SV Waldesrand Linden,
SV Weitmar 09, SG Wattenscheid 09
Länderspiele:66*
Erstes Länderspiel:28. Januar 2005 gegen Australien

Ihren WM-Traum hat sie nie aus den Augen verloren. Quälende Ungewissheit, ob sie es rechtzeitig packen würde, ließ Annike Krahn nicht lange zu. Dabei war der am 10. August 2010 beim Champions-League-Qualifikationsturnier in Nordirland erlittene Kreuzbandriss im Knie zunächst ein Schock für die Innenverteidigerin vom FCR Duisburg. «In der ersten Nacht habe ich kein Auge zugemacht, nicht nur wegen der Schmerzen, sondern weil ich mir so viele Gedanken gemacht haben», gesteht die 25 Jahre alte Bochumerin rückblickend.

Gut zehn Monate waren es noch bis zum Start der Heim-WM. Die Uhr tickte. Und so verlor die Fußball-Weltmeisterin von 2007 keine Zeit, richtete den Blick nur nach vorn. Der Operation folgte die lange Rehabilitation. Vier bis sechs Stunden täglich: Gymnastik, Kraft- und Stabilitätsübungen, Fango, Kältekammer, Fahrradfahren, Dauerläufe. «Es war eine anstrengende Zeit, ab und zu anstrengender als ein DFB-Lehrgang ohne Ball. Manchmal habe ich meinen Physiotherapeuten verflucht», räumt Krahn ein. «Aber ich hatte ja immer mein Ziel. Das hat mich motiviert und angetrieben. Ich wollte es unbedingt zur WM schaffen. Deswegen hatte ich auch keine großen Zweifel, ich habe immer daran geglaubt.»

Nebenbei arbeitete Krahn, die im vorigen Sommer ihr Diplom-Sportstudium (Schwerpunkt Sportmanagement und Marketing) an der Ruhr-Universität Bochum abschloss, noch bis zum Jahresende in Teilzeit beim lokalen WM-OK in ihrer Heimatstadt. Im Jahr davor absolvierte sie ein Praktikum in der Marketing-Abteilung des VfL Bochum.

Zwar gab es auch mal «schlechte Tage» in der Reha, aber insgesamt blieb sie von schweren Rückschlägen verschont. Mitte Februar kehrte Krahn auf den Trainingsplatz zurück. Und als Bundestrainerin Silvia Neid am 17. März ihren vorläufigen WM-Kader bekanntgab, war sie dabei. Zwar noch fast ohne Spielpraxis und mit ausbaufähiger Fitness. Doch die kam nach und nach, mit jedem der sieben WM-Lehrgänge.

Schon im ersten Test am 21. Mai gegen Nordkorea (2:0) stand die Kämpferin in der Startelf, genauso wie bei den 5:0-Siegen gegen Italien und die Niederlande sowie bei der 3:0-Generalprobe gegen Norwegen. «Anfangs haben mir noch einige Prozente gefehlt. Aber jetzt bin ich fit, auch wenn ich sicher noch ein bisschen Luft nach oben habe.»


Zwar gilt die Abwehrchefin nicht gerade als Filigrantechnikerin. Doch dank ihres guten Stellungsspiels, ihrer Kopfballstärke und ihrer kompromisslosen Art gehört sie seit vier Jahren zum Stammpersonal. Der Durchbruch gelang ihr bei der WM in China. Beim 2:0 im Finale 2007 kaufte sie Brasiliens Superstar Marta den Schneid ab. «Die kocht auch nur mit Wasser», sagte sie danach grinsend.

So geradlinig wie auf dem Platz ist Krahn auch privat. «Mein Ruhrpottmädchen» nennt DFB-Präsident Theo Zwanziger sie liebevoll. Auch er schätzt ihre schnörkellose Art. Zu ihrem zuweilen herben Charme bekennt sie sich, genauso wie zu ihrer Heimat: «Ich bin in Bochum geboren und aufgewachsen, und ich finde, es gibt kaum eine schönere Ecke.» Gern trifft sie sich mit Freunden, geht ins Kino oder dreht ihre Runden auf Inlinern am Kemnader Stausee im Süden der Stadt.

Vor gut zwei Jahren zog sie aus dem Elternhaus aus, wohnt aber noch immer nur einen Steinwurf entfernt von dem Club, wo sie als Vierjährige mit dem Fußball begann. Über Weitmar 09, den SC Waldesrand Linden, TuS Harpen und Wattenscheid 09 landete sie schließlich beim FCR Duisburg, mit dem sie 2009 UEFA-Cup-Siegerin wurde und zweimal den DFB-Pokal gewann.

Nur noch fünf Tage sind es bis zum Eröffnungsspiel in Berlin gegen Kanada. Dann will sie auf dem Platz stehen. «Aber letztlich muss die Trainerin das entscheiden». Den Wettlauf gegen die Zeit und den Kampf gegen den inneren Schweinhund hat sie schon gewonnen, nun soll die WM-Krone her: «Als Welt- und Europameister kann man nicht sagen: Wir wollen Dritter werden. Natürlich wollen wir den Titel.»

(*Stand: 16. Juni 2011)

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