Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), bei dem sich Zwanziger nach Merkels Kabinengang beschwert hatte, gehörte zu den Festgästen des Bundestages. Ebenso wie Bundestrainer Joachim Löw und FIFA-Präsident Joseph Blatter, der angesichts des Korruptionsskandals derzeit alle Hände voll zu tun hat. Vor 260 Delegierten stellte Zwanziger vor allem die Idee der Kanzlerin von 2005 heraus, sich für die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 zu bewerben. Bei der parlamentarischen Sitzung will Zwanziger seine dritte Amtszeit als DFB-Präsident antreten. Der 65-Jährige aus Altendiez ist einziger Kandidat. Er hatte im Sommer wegen einer «gewissen Amtsmüdigkeit» gezaudert, ob er noch einmal antritt. Die Vertragsverlängerung von Löw nach der Weltmeisterschaft gab letztendlich den Ausschlag, sich zur Wiederwahl zu stellen. Zwanziger hatte seinen Posten einmal in Anlehnung an ein Zitat des ehemaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering als «das schönste Amt neben Papst» bezeichnet. In diesem Jahr aber war der Jurist bei seinem Krisenmanagement in der Schiedsrichter-Affäre Manfred Amerell/Michael Kempter und bei den zunächst gescheiterten Verhandlungen mit Löw und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff im Frühjahr in die Kritik geraten. Zwanziger hatte das Amt von 2004 bis 2006 zunächst gemeinsam mit Gerhard Mayer-Vorfelder (Stuttgart) ausgeübt. In seiner zweiten Solo-Dienstzeit will er vor allem das gesellschaftliche Engagement des mit 6,7 Millionen Mitglieder größten Sportfachverbandes der Welt stärken. Der 40. ordentliche Bundestag steht deshalb unter dem Motto «Fußball ist Zukunft. Emotional, sozial, nachhaltig.» Joseph Blatter ist neues Ehrenmitglied des DFB. Zwanziger zeichnete den Präsidenten des Weltverbandes FIFA mit einer Ehrennadel und Urkunde aus. Blatter bezeichnete den DFB als «den bestorganisierten Verband» der Welt. Auf den Korruptionsskandal um die WM-Bewerbungen 2018 und 2011 ging der Schweizer nicht ein. Die 260 Delegierten in der Philharmonie feierten Blatter mit Applaus.
 |