Fußball-Regelhüter wollen Torlinientechnik testen
Cardiff (dpa) - 20.10.2010, 18:48 Uhr
Eine Torkamera könnte bei strittigen Situationen zur Entscheidungsfindung beitragen.
Die Fußball-Regelwächter haben eine Kehrtwende vollzogen und die Tür für die Torlinien-Technik geöffnet. Nach dem Willen des International Football Association Board (IFAB) sollen schon in wenigen Wochen Technologien getestet werden. Binnen einer Sekunde sollen diese technischen Hilfsmittel dann absolute Klarheit über umstrittene Tore schaffen. Bis Ende November können sich Anbieter beim Weltverband FIFA bewerben. Eine Entscheidung über die Einführung der Torlinien-Technologie werde aber frühestens auf der IFAB-Jahreshauptversammlung vom 4. bis 6. März 2011 getroffen, teilte das Gremium nach seiner Sitzung in Wales mit. Mit ihrem Votum beugten sich die Gralshüter des Fußballs dem Debatten-Druck nach den Fehl-Entscheidungen bei der WM in Südafrika. Erst im März hatte das IFAB jeglichen technischen Hilfsmitteln wie dem Chip im Ball oder der Hintertor-Kamera eine Absage erteilt. Stattdessen läuft derzeit in der Champions League und der Europa League das Pilot-Projekt mit zwei Torrichtern, das von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) favorisiert wird.
Doch die Schiedsrichter-Patzer bei der Weltmeisterschaft zwangen auch FIFA-Chef Joseph Blatter zum Umdenken. Vor allem das nicht anerkannte Tor des Engländers Frank Lampard im WM-Achtelfinale gegen Deutschland, als der Ball mehr als deutlich die Torlinie überschritten hatte, lieferte den Technik-Befürwortern reichlich Argumente. Auf Geheiß von Blatter hob das IFAB, dem vier FIFA-Delegierte sowie je ein Gesandter der nationalen Verbände Englands, Schottlands, Nordirlands und aus Wales angehören, das Thema daher wieder auf die Tagesordnung. Auch die deutschen Referees um Herbert Fandel sowie die Mehrheit der Bundesliga-Trainer hatte sich zuvor klar für technische Unterstützung stark gemacht. «Je mehr und sinnvoller, desto besser», urteilte Louis van Gaal, Trainer des deutschen Rekordmeisters Bayern München. Fandel favorisiert den Chip im Ball. «Da hätte man eine Lösung ohne großes Aufsehen, ohne mehr Personal, ohne den Unparteiischen in seiner Persönlichkeit zu schwächen», erklärte der Schiedsrichter-Chef des Deutschen Fußball-Bunds (DFB). |