Beim Fußballzwerg Montenegro wachsen die Träume in den Himmel. Nach drei Siegen in drei Spielen reist das Team des kleinen Adriastaates als Spitzenreiter der EM-Qualifikationsgruppe G zum Duell mit England - und gibt sich gar nicht kleinlaut.
«Wir gehen nicht zum Shopping nach Wembley», heizt Trainer Zlatko Kranjcar die Stimmung an. «Wir sind ganz entspannt», beschreibt auch die Zeitung «Vijesti» in Podgorica die Ausgangslage: «Wenn uns die Engländer unterschätzen, ist alles möglich».
Zwar hält der aus Kroatien stammende Coach den Ball flach. «Wir stehen fest auf dem Boden, es gibt keinen Platz für irgendeine Euphorie», sagt «Cico» wieder und wieder. «Ich bin viel zu erfahren, als dass ich nicht wüsste, dass alles Schöne im Fußball leicht kippen kann». Doch die Medien haben ein klares Ziel ausgegeben. «Die besten Zweiten, warum denn nicht?», titelte «Vijesti» und meint «Montenegro wird das beste zweitplatzierte Team in allen Gruppen und erkämpft die direkte Teilnahme an der EM».
Vor allem das Ausland reibt sich nach dem bisherigen Auftreten des Balkanlandes die Augen. Nur 620 000 Einwohner leben in dem erst seit 2006 unabhängigen Land mit seiner atemberaubenden Küste. Nur 9000 Fußballer sind lizenziert. Selten kommen zu einem Spiel mehr als 1000 Zuschauer und die Kicker erhalten in der Regel nicht mal 1000 Euro Monatsgehalt. Viele suchen deshalb ihr Glück im Ausland.
So wie der 27-jährige Stürmer Mirko Vucinic vom AS Rom. Der unangefochtene Star der Nationalelf erzielte das erste Tor bei einem internationalen Auftritt des jungen Staates Montenegro, das erste Tor bei der WM-Qualifikation sowie diese Saison das 1:0 gegen Wales und das 1:0 gegen die Schweiz. Auf elf Tore brachte es der Goalgetter insgesamt in der kurzen Geschichte des Nationalteams.