Beckenbauer vor Geburtstag: Leben etwas aufräumen
München (dpa) - 09.09.2010, 15:23 Uhr
Franz Beckenbauer will das Tempo seiner Aktivitäten mit dem 65. Geburtstag drosseln.
Als Rentner fühlt sich Franz Beckenbauer so kurz vor dem 65. Geburtstag noch nicht, aber kürzer treten will er in Zukunft trotzdem. «Ich werde meine Aufgaben national und international drastisch reduzieren», kündigte der Ehrenpräsident des FC Bayern München an. Zeit für die Familie und seine Stiftung seien ihm wichtig, betonte der Fußball-«Kaiser». «Nicht dass da plötzlich wie bei meiner ersten Ehe drei Kinder sind, so groß wie ich, und ich fragen musste, wo kommt ihr auf einmal eigentlich her, weil ich keine Zeit hatte.» Das Recht, es ein bisschen ruhiger angehen zu lassen, hat Beckenbauer allemal. Das hob zuletzt auch sein WM-Gefährte Günter Netzer noch einmal hervor. «Der Franz Beckenbauer ist das größte Glück des deutschen Fußballs», sagte Netzer in einer Sonderausgabe von «Blickpunkt Sport» im Bayerischen Fernsehen, «es gab keinen besseren vor ihm und es wird auch kein besserer nachkommen. Er hat in verschiedenen Phasen seines Lebens so viel Positives für den deutschen Fußball geleistet wie kein anderer das jemals können wird.»
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Aber ob es Pensionär Beckenbauer tatsächlich ruhiger angehen lassen kann? Schon FIFA-Präsident Joseph Blatter sagte erst kürzlich, dass er die deutsche Fußball-Größe «mit Sicherheit» bis 2015 im Weltverband FIFA erwartet. Noch im September geht es zur WM der U-17-Juniorinnen in Trinidad und Tobago; als Ehrenpräsident seines Lieblingsclubs oder als TV-Experte für den Bezahlsender «Sky» wird der «Bild»-Kolumnist auch weiterhin ein gefragter Mann sein. Und die Fußball-Fans hoffen, dass seine Reden, Pointen und Sprüche erhalten bleiben, denn die sind längst Legende. Aber es gebe viel wichtigere Dinge als «jedes Fußballspiel», betonte der auch im Alter noch ranke und schlanke Beckenbauer. Wie die Einschulung des sechs Jahre alten Töchterchens Francesca in der kommenden Woche. «Was glauben Sie, was bei uns zu Hause für eine Aufregung herrscht», sagte der 103-malige Nationalspieler. Solche Momente will Beckenbauer vermehrt genießen, und dafür auch von Ämtern loslassen. «Ich möchte mein Leben etwas aufräumen. Seit 45 Jahren zerrt jeder an mir rum, jeder will etwas von mir. Und ich kann so schlecht Nein sagen. Jetzt ist es Zeit, dass ich meine Ämter und meine Verpflichtungen ein wenig ordne», sagte Beckenbauer in einem Interview der «Bild». |