«Seine Zukunft wird er nicht an die Vertragsverlängerung von Joachim Löw knüpfen», sagte Brause über Zwanzigers Gedankenspiele. «Aber klar ist, dass die erste Priorität in den nächsten Wochen die Vertragsverlängerung mit dem Bundestrainer hat. Erst danach wird er sich Gedanken über seine persönliche Zukunft als DFB- Präsident machen.» Der 65 Jahre alte Spitzenfunktionär hatte am Wochenende beim Verbandstag des Fußballverbandes Rheinland in Altenkirchen erklärt: «Ich verspüre eine tiefe Sehnsucht nach dem Privaten.» Auf die Frage, ob er amtsmüde sei, sagte er der «Rheinzeitung»: «Ja, das kann man so sagen. Die Amtsmüdigkeit, die gibt es.» Es sei «momentan völlig offen», ob er erneut kandidiere. Zwanziger würde sich vor allem gerne mehr um seine drei Enkel kümmern. Dem DFB-Chef macht aber auch die Kritik an seiner Amtsführung zu schaffen: In der Schiedsrichter-Affäre um Manfred Amerell und Michael Kempter warf man Zwanziger vor, sich voreilig auf die Seite des jungen Bundesliga-Referees Kempter geschlagen zu haben. Zudem machten ihn viele für die geplatzte Vertragsverlängerung mit Löw vor der WM verantwortlich. Jetzt muss der Jurist aus Altendiez zuschauen, wie sich der beliebte Bundestrainer mit der Entscheidung weiter Zeit lässt. Löw hatte am Wochenende in Rust bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in der Heimat nach der Weltmeisterschaft in Südafrika seine berufliche Zukunft offen gelassen. «Ich brauche Ruhe, um Kraft und Gedanken zu sammeln», sagte er am Rande der Feier zum 20-Jährigen Jubiläum der 90er Weltmeister. Die WM sei anstrengend und kräftezehrend gewesen. Es sei nicht die Zeit für öffentliche Statements. Zuletzt hatte eine Zeitung während der Schiedsrichter-Affäre vom «Zickzack-Zwanziger» geschrieben. «Das trifft mich sehr, da ich bei aller Kritikfähigkeit vieles als absolut ungerecht empfunden habe», hatte Zwanziger vor der WM in einem dpa-Interview gesagt. «Da gab es Dinge, die man - ich bin da ganz offen - nicht so leicht wegsteckt.» Als er nun von «seinem» Landesverband Rheinland als Ehrenpräsident ausgezeichnet wurde, beklagte er sich in einer Rede vor den Delegierten: «Unsere Aufgabe ist es, die Balance zu halten. Aber unsere Öffentlichkeit kennt keine Balance mehr, es geht nur noch um Sieg oder Niederlage, Macht oder Ohnmacht, Genie oder Wahnsinn.» Seit 2004 steht Zwanziger an der Spitze des DFB, zunächst gemeinsam mit Gerhard Mayer-Vorfelder, seit dem 8. September 2006 als alleiniger Präsident. Hermann Korfmacher, der als 1. Vizepräsident des DFB die Amateure vertritt, glaubt noch nicht an einen Rückzug. «Ich hoffe für den Amateurfußball, dass Theo Zwanziger uns als Präsident erhalten bleibt. Und davon gehe ich auch aus», sagte Korfmacher.
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