Die Spanier düsten in einem Jet die nur 120 Kilometer vom Mannschaftsquartier Potchefstroom nach Johannesburg zum Abschlusstraining. Ihr Gegner war schon Dienstagnacht nach dem Halbfinal-Triumph gegen Uruguay in die Metropole geflogen. Der Fußball-Verband der Iberer ließ zum Endspiel noch einen Flieger mit den Familien der Spieler, Kronprinz Felipe und Gattin Letizia sowie Tennisstar Rafael Nadal einschweben. Trainer Vicente del Bosque erhielt gar königlichen Zuspruch: «Der König hat uns gratuliert dafür, wie weit wir gekommen sind und gesagt, wir sollen uns diesen Esprit für morgen bewahren. Er meinte, wir sind fähig zu gewinnen.» Wie van Marwijk gab sich auch der spanische Coach am Vorabend der Partie optimistisch: «Im Moment bin ich sehr ruhig, ich habe sehr viel Vertrauen in die Mannschaft.» An moralischer Unterstützung fehlt es seiner Mannschaft nicht. Die von der Wirtschaftskrise schwer getroffene Nation lechzt nach einer Riesenfiesta. «Wir hoffen, Spanien eine große Freude machen zu können, denn das Land braucht es», sagte Torhüter Iker Casillas in «El Mundo». Der Kapitän darf bei einem Sieg den goldenen WM-Pokal vielleicht sogar von Nelson Mandela in Empfang nehmen. Der fast 92 Jahre alte Volksheld soll auch nach dem Wunsch des Fußball-Weltverbandes FIFA die WM mit seinem Auftritt krönen. Eine Bestätigung für sein Erscheinen gibt es aber nicht. «Wie kann man schöner Abschied nehmen, als mit dem WM-Pokal in der Hand», meinte «Oranje»-Spielführer Giovanni van Bronckhorst. Auch der 35-Jährige von Feyenoord Rotterdam träumt vom Triumph und baut auf die Serie der «Elftal» von 25 Spielen ohne Niederlage. «Wir spielen nicht immer super, aber schießen in den richtigen Momenten die Tore», sagte er vor seinem Karriereende im Nationalteam vor der traumhaften Kulisse. Große Spieler wie Maradona haben diesen Pokal in Händen gehalten. Ich habe schon immer davon geträumt, dass auch ich einmal diesen Pokal hochhalte. Wenn wir die WM wirklich gewinnen, schwebe ich wahrscheinlich eine Woche auf einer rosa Wolke.» Für die beiden Rivalen geht es beim ersten Aufeinandertreffen ihrer WM-Historie nicht nur um den Premierentitel: David Villa vom FC Valencia und Wesley Sneijder von Inter Mailand (beide fünf Treffer) hoffen auf den «Goldenen Schuh» als Torschützenkönig. Beide gelten neben den spanischen Regisseuren Iniesta und Xavi auch als heiße Kandidaten für den «Goldenen Ball» als bester Spieler bei diesem Turnier. «Was ich will, ist der WM-Pokal. Man darf nicht Egoist sein. Wenn wir als Mannschaft auftreten, können wir Holland schlagen», sagte jedoch Xavi vom FC Barcelona. Kein gutes Omen für die Spanier ist der Schiedsrichter: Der englische Polizist Howard Webb bringe der Mannschaft «schlechte Erinnerungen», schrieb «El Mundo Deportivo». Mit dem Referee waren die Iberer bei ihrer 0:1-Auftaktniederlage gegen die Schweiz gar nicht zufrieden. Der niederländische Flügelflitzer Robben will «lieber ein hässliches Spiel und gewinnen, als das wir schön spielen und am Ende verlieren. Wir haben bislang noch nicht den schönsten Fußball gezeigt. Aber wir können uns stets auf unsere gute Organisation verlassen.» Holland kann in Johannesburg unter anderem auf Glücksbringer wie Cruyff, Münchens Trainer Louis van Gaal und Kronprinz Willem-Alexander bauen.
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