Nach sechs WM-Siegen in Serie ist der langersehnte Titel für den zweimaligen Vize-Weltmeister zum Greifen nahe. Anders als bei den Finalpleiten 1974 gegen Deutschland und vier Jahre später gegen Argentinien soll das Turnier mit einem historischen Triumph zu Ende gehen. Noch hält der ehemalige Bundesliga-Profi Rafael van der Vaart (Real Madrid) Vergleiche mit der großen Mannschaft von einst um Weltstar Johan Cruyff für verfrüht. «Zunächst müssen wir den Sonntag abwarten. Aber wenn wir das Finale gewinnen, sind wir die beste holländische Mannschaft, die es jemals gab», sagte van der Vaart. Fußball-Ästheten mögen das anders sehen. Denn von der einstigen Schönheit des holländischen Spiels ist wenig geblieben. Auch im zähen Duell mit Uruguay gab es zunächst wenig Berauschendes zu sehen, ehe der Doppelschlag von Wesley Sneijder (70. Minute) und Robben (73.) den Weg nach Johannesburg ebnete. Obwohl die Mannschaft im bisherigen Turnierverlauf nur in der zweiten Halbzeit des Viertelfinales gegen Brasilien (2:1) voll überzeugte, spricht mittlerweile niemand mehr von einem Makel. «Wir würden natürlich auch lieber schöneren Fußball spielen. Aber am Ende ist es das Wichtigste, weiter zu kommen», kommentierte Bayern-Star Robben. Nicht nur die imposante Erfolgsserie von zuletzt 25 Spielen ohne Niederlage und zehn Siegen in Serie macht Mut für den Showdown im Soccer-City-Stadion. Darüber hinaus stimmt das Phänomen optimistisch, dass die Mannschaft von van Marwijk auch nach schwächeren Spielen den Platz stets als Sieger verlässt - für Mathijsen ein gutes Zeichen für das Finale: «Wir haben in den vergangenen zwei Jahren wenig verloren. Da bekommt man ein Gefühl dafür, nicht verlieren zu können.» Alle wissen: Selbst wenn es schlecht läuft, trifft einer der Hochkaräter im Angriff wie Robben, Sneijder, Dirk Kuyt oder Robin van Persie irgendwann das Tor. Zudem hilft die große Erfahrung des eingespielten Teams mit einigen Profis im sogenannten besten Fußball- Alter über die eine oder andere Klippe hinweg. Dieser Vorteil soll auch am 11. Juli zum Tragen kommen. «Das ist meine letzte WM, mein =letzte Chance. So eine Gelegenheit will ich mir nicht entgehen lassen», sagte FC Bayern-Profi Mark van Bommel. Geschlagen, aber nicht gedemütigt verließen die Uruguayer das Green-Point-Stadion. «Wir waren so nahe am Finale dran. Es ist furchtbar schade, diese einzigartige Chance vergeben zu haben», sagte Kapitän Diego Forlán, der die letzten Minuten der Partie wegen einer Oberschenkelblessur nur noch vom Spielfeldrand aus erlebte. Die Auswahl aus dem 3,5-Millionen-Einwohner-Land darf sich auf einen stürmischen Empfang in der Heimat gefasst machen. Vor allem wenn die «Himmelblauen» noch das Spiel um Platz drei am 10. Juli in Port Elizabeth gewinnen sollten. «Wir haben alles versucht, aber es hat nicht gereicht. Es ist nicht der Moment, um Tränen zu vergießen oder Ausreden zu suchen», sagte Oscar Tabárez voller «Stolz» auf sein Team. Offen ließ der Erfolgscoach, ob er die «Urus» auch durch die WM-Qualifikation für Brasilien 2014 führt. «Das hängt nicht von mir ab. Meine Arbeit der letzten vier Jahre ist getan.» Jedenfalls wird der 63-Jährige einen kräftigen Gehaltsaufschlag verlangen.
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