«Es wäre wunderbar meine Karriere als Trainer eines Nationalteams bei der WM in Brasilien zu beenden», sagte Scolari in «Radio Eldorado». «Aber ich kann vor 2012 keine Angebote annehmen. Mein Fokus liegt auf Palmeiras.» Danach wolle er sehen, ob ihn ein Nationalteam für die WM-Qualifikation und das Endrunden-Turnier verpflichten wolle. Die Sportzeitung «Lance!» hatte am 3. Juli auf der ganzen Titelseite ein Bild von «Felipão» gedruckt. Darauf hält Scolari den WM-Pokal, darüber steht: «2014. Die Fans wollen Felipão. Und der CBF auch.» Seine Abmachung mit Palmeiras, schrieb aber das «Jornal da Tarde», «könnte seine Wahl unmöglich machen.» Die Zeitung «Diário de São Paulo» schaltete auf Seite eins eine Anzeige mit dem Titel «Trainer gesucht». Auch Mano Menezes, derzeit Coach bei Corinthians São Paulo, wird als möglicher Nachfolger Dungas genannt. «Bei Felipe und Leonardo wird sondiert, ob sie den Platz Dungas einnehmen können», schrieb «Folha de São Paulo». Die «Seleção» steht jedenfalls vor einem Scherbenhaufen - und einem Umbruch: Die älteren Spieler wie Kapitän Lucio, Torwart Júlio Cesar, Juan und Gilberto Silva werden in vier Jahren wohl nicht mehr dabei sein. Ex-Stürmerstar und - Weltmeister Ronaldo tröstete seine einstigen Kollegen via Twitter: «Meine Solidarität an meine Freunde. Schwieriger Moment. Ihr seid Krieger! 2014 ist schon bald! Brasilien ist mit Euch. Machen wir alle zusammen eine großartige WM hier.» Bei der Ankunft der «Seleção» um 02.00 Uhr am internationalen Flughafen von Rio de Janeiro warteten nur rund 100 Fans auf ihre geknickten Lieblinge. Unmutsbekundungen blieben weitgehend aus. Mit verweinten Augen hatte Kaká das Nelson Mandela Bay Stadion verlassen. Wie schon Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney konnte der 65-Millionen-Mann von Real Madrid die Starrolle bei diesem Turnier nicht ausfüllen. «Es hat Brasilien nicht an Qualität gefehlt, unsere Fehler lagen nur im Detail», meinte der Spielmacher trotzig. Die Mannschaft verkroch sich in ihrem Hotel «Proteas Marine», nur Pressesprecher Rodrigo Paiva trat vor die Mikrofone: «Ich habe noch nie so eine traurige Mannschaft gesehen», versicherte der Pressesprecher, der schon 2006 dabei war. «Viele haben heute noch geweint. Kaká hat sehr viele Tränen vergossen.» Als der brasilianische Mannschaftsbus in der Unterkunft eingetroffen war, da schallten Dunga böse Rufe von Anhängern entgegen: «Burro!» - Esel! Beim Abendessen war fast nur das Klappern der Bestecke zu hören. Keeper César hielt noch eine Ansprache, wie der Verband auf seine Homepage berichtete. «Du hast eine Gruppe von Freunden, von Brüdern geformt. Wir hätten die WM so gerne für dich gewonnen», sagte der Champions-League-Sieger von Inter Mailand zu Dunga. Der Trainer erwiderte bewegt: «Es war mir eine Ehre, mit euch zu arbeiten. Ihr könnt sicher sein, dass ich auf euch stolz bin.» Verbandschef Teixeira forderte die Spieler auf: «Jetzt ist der Moment gekommen, den Kopf hochzunehmen und weiterzumachen.»
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