Auch Kapitän Philipp Lahm war überwältigt: «Dass man die Argentinier 4:0 schlägt, ist unglaublich. Wir wurden sehr gut vorbereitet, dass hat man gesehen. Jeder, der im Halbfinale steht, hat das Zeug, ins Finale zu kommen und Weltmeister zu werden.» Arne Friedrich meinte: «Was hier im Moment los ist, das kann ich gar nicht beschreiben. Das ist ein unglaublicher Teamspirit.» Während die Deutschen noch auf dem Rasen ausgelassen feierten, suchte «Gaucho»-Coach Maradona weinend in den Armen seiner Tochter Trost. Trotz aller Enttäuschung über das Debakel hielt sich der 50- Jährige eine Entscheidung über seine Zukunft offen: «Das ist die härteste Niederlage meines Lebens. Das war ein Tiefschlag. Der Traum ist zu Ende. Ich weiß nicht, was morgen mit mir passiert.» Die DFB-Auswahl lieferte gegen den Turnierfavoriten eine Demonstration der Stärke ab. Im Kollektiv gelang es, die Kreise von Lionel Messi einzuengen, der klar im Schatten des überragenden Müller stand. Im Stile eines «alten Hasen» drückte der 20-jährige Youngster dem Spiel beim höchsten Länderspiel-Sieg gegen Argentinien seinen Stempel auf, glänzte mit klugen Pässen und erzielte seinen vierten Turniertreffer. Schneller als der junge Bayern-Akteur traf in einem deutschen WM-Spiel nur Ernst Lehner 1934 beim 3:2 gegen Österreich. Um Messi kümmerten sich abwechselnd Schweinsteiger und Sami Khedira. Es gelang ihnen zwar nicht, den Weltfußballer völlig aus dem Spiel zu nehmen, doch wurde ihm durch konsequentes Pressing viel an Wirkung genommen. Schweinsteiger, dem Löw ein «ein grandioses Länderspiel» bescheinigte, überzeugte auch offensiv. Er leitete das Führungstor per Freistoß ein und war auch Wegbereiter von Friedrichs erstem Länderspiel-Treffer bei dessen 77. DFB-Einsatz. Klose hatte in seinem 100. Länderspiel noch mehr Grund zur Freude. Nachdem der Angreifer Mitte der ersten Halbzeit eine große Chance vergeben hatte, stand er später zweimal goldrichtig und schloss mit seinem insgesamt 14. WM-Treffer zu dem in der ewigen Rangliste an zweiter Stelle hinter Ronaldo (15) liegenden Gerd Müller auf. Nach den verbalen Scharmützeln im Vorfeld der Partie ging es auf dem Rasen gleich körperbetont zur Sache, als wollten einige die Reizschwelle des usbekischen Schiedsrichters Rawschan Irmatow testen. Gerade einmal 55 Sekunden waren gespielt, als Klose von hinten Javier Mascherano in die Beine grätschte, nach exakt zwei Minuten wurde Podolski am linken Flügel von Nicolas Otamendi zu Fall gebracht. Schweinsteigers Freistoß verwertete Müller per Kopf. Der bisher schnellste Treffer des Turniers verlieh dem Team weitere Sicherheit. In der 24. Minute schien das 2:0 perfekt. Müller setzte sich auf der rechten Seite energisch gegen zwei Abwehrspieler durch und passte nach innen auf Klose, doch der Münchner jagte den Ball aus elf Metern über die Latte. Mitte der ersten Hälfte schienen die Südamerikaner den Schock überwunden zu haben, während im deutschen Spiel ein wenig die Struktur verloren ging. Zu Beginn des zweiten Durchgangs geriet die deutsche Mannschaft sogar ein paar Mal in Bedrängnis. Ein Warnschuss von Angel di Maria (48.) pfiff knapp an Neuers Kasten vorbei, fünf Minuten später blockte Per Mertesacker mit dem Kopf einen Schuss von Carlos Tevez ab. Dann wurde auch Löws Elf endlich wieder aktiver. Ein energischer Einsatz von Müller, der den Ball wie einst sein Namensvetter Gerd im Liegen weiterspitzelte, leitete das 2:0 ein, Klose vollendete das Zuspiel von Podolski. Danach gab es kein Halten mehr.
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