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Brasilien in Tränen - «Oranje» träumt vom WM-Titel

Port Elizabeth (dpa) - 02.07.2010, 20:47 Uhr

Die Niederländer jubeln über den 1:1-Ausgleich.
Die Niederländer jubeln über den 1:1-Ausgleich.

Holland zerstört Brasiliens Traum vom sechsten WM-Titel und hofft nun selbst auf die Krone. In einem mitreißenden Spiel zogen die «Oranjes» zum vierten Mal ins Halbfinale ein.

Arjen Robben, Wesley Sneijder und ihre «Oranje»-Kollegen tanzten noch auf dem Rasen, da saßen die Brasilianer mit Tränen in den Augen längst in der Kabine. Mit dem 2:1 (0:1)-Sieg im Viertelfinal-Schlager von Port Elizabeth zerstörten die Niederländer den Traum der «Seleção» vom sechsten Titel und können nun erstmals selbst den WM-Thron besteigen. «Ich habe den Jungs immer gesagt, wir haben eine Mission, wir wollen Weltmeister werden. Jetzt kann man sehen, dass alles passieren kann. Heute haben wir gezeigt, dass wir einen fantastischen Fußball spielen können», sagte der glückliche Bondscoach Bert van Marwijk, der nun seit 24 Spielen mit der «Elftal» ungeschlagen ist. «Das ist ein fantastischer Tag», jubelte Verbandspräsident Henk Kessler, als der vierte Einzug Hollands in ein WM-Halbfinale feststand.

Da herrschte bei den Brasilianern, die sich nach dem frühen Führungstor durch Robinho (10.) schon auf der Siegerstraße gewähnt hatten, längst Frust pur. Wie vor vier Jahren müssen sie nach dem Viertelfinale die Heimreise antreten. «Wir sind alle extrem traurig, das hatten wir nicht erwartet. Wenn Sie in die Gesichter unserer Spieler geschaut haben, dann können Sie sehen, was sie gefühlt haben», sagte Coach Carlos Dunga, dessen vierjährige Mission im Land des Rekord-Weltmeisters mit der ersten Niederlage seit Oktober 2009 beendet ist. «Ohne Zweifel bin ich der Trainer dieser Mannschaft und trage die größte Verantwortung. Jeder wusste von Anfang an, dass mein Vertrag für vier Jahre war», meinte der 46-jährige Dunga, der das Amt nach der WM-Pleite 2006 angetreten hatte.

Die Niederländer, die durch ein Eigentor von Felipe Melo (53.) und Wesley Sneijders Kopfball (68.) zum verdienten Sieg kamen, treffen am 6. Juli in Kapstadt im Kampf um den Einzug ins Endspiel auf den Sieger der Partie Uruguay - Ghana. «Das war ein toller Tag, wir haben uns gegen Brasilien durchgesetzt. Wir haben am Ende gewonnen und sind sehr glücklich, dass wir das Halbfinale erreicht haben», sagte Matchwinner Sneijder überglücklich. Auch Bayern-Star Robben war einfach happy: «Das Halbfinale ist super, wir haben einen der Top-Favoriten ausgeschaltet. Aber jetzt fängt es erst richtig an, wir können noch weiter kommen.»

Der erste echte WM-Knaller vor 40 186 Zuschauern im Nelson- Mandela-Bay-Stadion stand fast eine Stunde lang im Zeichen des fünfmaligen Weltmeisters, doch am Ende erwiesen sich die Brasilianer als schlechte Verlierer: Die zweite WM-Niederlage gegen Holland seit 1974 vor Augen, verlor Felipe Melo die Nerven und sah nach einem bösen Tritt gegen Robben in der 73. Minute die Rote Karte.


Eine Halbzeit lang hatte Dungas Mischung aus Künstlern und Kämpfern nach vorne endlich den ersehnten Samba-Fußball gezeigt und hinten mit Lucio und Juan den Laden dicht gemacht. Nach einem wunderschönen Pass von Felipe Melo in die Schnittstelle der Abwehr gelang Robinho die frühe Führung. Dabei stimmte die Zuordnung bei den Niederländern überhaupt nicht, denn Robben musste hinter dem Torschützen herlaufen und beschwerte sich anschließend bitter bei seinen Teamkollegen.

Doch die «Seleção» versäumte es in ihrer stärksten Phase, entschlossen nachzusetzen. Der Ex-Leverkusener Juan verpasste in der 25. Minute knapp das 2:0, als er Dani Alves' Hereingabe aus sechs Metern über den Kasten jagte. Dann folgte der große Auftritt von Kaka: Nach Robinhos Dribbling und Hackentrick von Luis Fabiano zog der 28-Jährige aus 16 Metern einfach ab, Stekelenburg holte den Schuss mit den Fingerspitzen aus dem Winkel.

Nach dem Patzer von Schlussmann Julio Cesar, der beim Ausgleich irritiert von Felipe Melo eine Flanke von Sneijder passieren ließ, war es mit der Sicherheit vorbei - die «Seleção» fiel zusammen wie ein Kartenhaus. Plötzlich bestimmten die Niederländer das Geschehen. Robben, der sich in seinem 50. Länderspiel lange Zeit in Zweikämpfen aufgerieben hatte, belebte die Offensive, und Sneijder «explodierte» förmlich.

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