«Eigentlich bin ich ja ein sicherer Schütze. Der war mit ganz viel Schmackes geschossen. Der Torwart hat die Ecke geahnt», kommentierte Podolski seinen bitteren Fehlschuss im 75. Länderspiel. Nur eine Minute nach dem sechsten WM-Platzverweis für einen deutschen Spieler nutzte in Milan Jovanovic (38.) der beste Serbe die Verwirrung zum Siegtor. Wieder einmal das «verflixte» zweite Spiel: Fünf Tage nach dem in der Fußball-Welt groß gefeierten 4:0-Erfolg gegen Australien wurden Löws Himmelsstürmer in einer kampfbetonten Partie auf den Boden zurückgeholt. Und wie schon vor zwei Jahren bei der EURO die Kroaten beim 1:2 in Klagenfurt erwies sich im zweiten Turnierspiel ein Team vom Balkan als Spaßbremse. «Gelb-Rot, unmittelbar danach das 0:1, viele vergebene Chancen und der verschossene Elfmeter - es war nicht einfach, das alles wegzustecken», kommentierte Löw. Sauer stampfte vor allem Klose in die Kabine, für den der Tag nach zwei dummen Fouls in ungefährlichen Zonen gelaufen war. «Ich sage, es ist ein Fußballspiel, ein Kampfsport», fluchte der 32-Jährige und wehrte sich: «Ich habe mich nicht zu doof angestellt.» Der elffache WM-Torschütze sah in seinem 98. Länderspiel schon in der 12. Minute wegen eines taktischen Fouls Gelb und musste acht Minuten vor der Pause vom Feld, als er Dejan Stankovic am Mittelkreis übermotiviert von hinten in die Parade fuhr. «Ich versuche den Ball zu spielen.» «Das haut eine Mannschaft natürlich nach hinten», bemerkte Kapitän Lahm. Vor allem Podolski ließ neben dem Elfmeter noch weitere Chancen ungenutzt. Als letzter Deutscher bei einer WM war Carsten Ramelow 2002 vorzeitig in die Kabine geschickt worden. «Das war kein gelbwürdiges Foul», beurteilte Löw die Situation, schloss aber an: «Man muss nicht unbedingt dort versuchen, den Ball von hinten zu gewinnen.» Schweinsteiger sah Referee Undiano als den Hauptverantwortlichen für den Absturz: «Wenn ich ehrlich bin, ja.» Um sich für das WM-Achtelfinale zu qualifizieren, muss Löws Elf am Mittwoch in Johannesburg unbedingt ihr letztes Spiel der Gruppe D gegen Ghana gewinnen. «Wir müssen jetzt Teamgeist zeigen. Wir haben ein richtiges Endspiel», betonte Podolski, der den ersten WM-Elfmeter für Deutschland seit 1974 verschoss - damals war Uli Hoeneß im Spiel gegen Polen gescheitert. «Der Druck im nächsten Spiel ist enorm. Das ist ein absolutes K.o.-Spiel, ein Sechzehntelfinale», erklärte Per Mertesacker, der gemeinsam mit Philipp Lahm den entscheidenden Luftkampf des Tages gegen den Serben-Riesen Nikola Zigic verlor. Zuvor hatte der links hinten überforderte Youngster Holger Badstuber eine Flanke von Milos Krasic nicht verhindern können. Jovanovic hatte keine Mühe, die Vorlage des 2,02 Meter-Riesen im deutschen Tor unterzubringen. Den Ausgleich noch vor der Pause verhinderte die Latte bei einem wuchtigen Schuss von Sami Khedira (45.). Gegen die mit zwei Abwehrketten operierenden Serben gab es für Mesut Özil und Thomas Müller lange Zeit praktisch kein Durchkommen. Auch die späten Einwechslungen von Cacau, Marko Marin und Mario Gomez brachten die Wende nicht mehr. «Wir haben deutlichste Möglichkeiten nicht reingemacht. Wir hätten es verdient gehabt zu gewinnen», sagte Mertesacker. Als einer der ersten war DFB-Präsident Theo Zwanziger nach dem Abpfiff in die Kabine gegangen, in der es sehr still war. «Ihr könnt jetzt fünf Minuten traurig sein, dann geht es weiter. Dann geht das Turnier erst los», erklärte Zwanziger den Spielern.
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