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Frankreich blamiert - Maradona und Rehhagel jubeln

Johannesburg (dpa) - 17.06.2010, 23:15 Uhr

Argentinien-Coach Diego Maradona freut sich über den Sieg seines Teams.
Argentinien-Coach Diego Maradona freut sich über den Sieg seines Teams.

Otto Rehhagel jubelte über die Wiederauferstehung mit Ex-Europameister Griechenland, Kollege Diego Maradona schritt nach dem Offensiv-Wirbel seiner «Gauchos» wie ein zufriedener Feldherr über den Rasen. Vizeweltmeister Frankreich steht bei der WM schon vor dem Aus.

Nach indiskutabler Leistung verlor das Team von Raymond Domenech in Polokwane gegen Mexiko mit 0:2 (0:0). Vor 35 370 Zuschauern erzielte Javier Hernandez in der 64. Minute die viel umjubelte Führung für die Mittelamerikaner. Per Foulelfmeter sorgte Cuauhtémoc Blanco (79.) für die Entscheidung. Um doch noch auf den Achtelfinal-Einzug hoffen zu dürfen, muss die «Équipe Tricolore» im «Gruppenfinale» gegen Gastgeber Südafrika unbedingt gewinnen und auf Schützenhilfe setzen. Uruguay und Mexiko reicht im direkten Duell ein Unentschieden zum Weiterkommen.

«Es ist eine Schande, so zu verlieren», sagte Frankreichs Mittelfeld-Mann Florent Malouda vom FC Chelsea. «Jetzt können wir uns nur noch im dritten Spiel herausziehen.» Geknickt und frustriert waren seine Mannschaftskollegen zuvor vom Platz geschlichen. «Mir fehlen noch die Worte, ich bin sehr enttäuscht und habe das alles noch nicht verkraftet», sagte Frankreichs schon vor der Pleite umstrittene Trainer Raymond Domenech. «Ich habe noch keine Analyse. Wir haben noch eine Chance - aber das liegt nicht an uns.»

Durch den ersten WM-Sieg der Historie beim 2:1 (1:1) gegen Nigeria erhielt sich der deutsche Trainer-Methusalem mit den Hellenen die Chance auf den Einzug in das Achtelfinale, für das Argentinien nach dem überzeugenden 4:1 (2:1) gegen Südkorea bereits planen kann.

Am letzten Vorrundenspieltag fordert Rehhagel nun Maradona heraus. «Darauf freuen wir uns, aber wir sind totaler Außenseiter», sagte Rehhagel. Beim Sieg gegen die nach der Roten Karte für Sani Kaita knapp eine Stunde in Unterzahl spielenden Nigerianer drehten Dimitrios Salpingidis (44. Minute) und Vasilios Torosidis (71.) mit ihren Treffern die Partie. Kalu Uche (16.) hatte die Afrikaner in Führung gebracht.


«Heute haben sich die Jungs richtig ins Zeug gelegt, deshalb waren wir am Ende auch ein verdienter Sieger», lobte Rehhagel sein Team. Beim Finale der Gruppe B am 22. Juni gegen Argentinien reicht Griechenland sogar ein Unentschieden - wenn Nigeria sein letztes Spiel gegen Südkorea gewinnt. Bei einer Niederlage gegen den hohen Turnierfavoriten aus Südamerika ist die WM für Rehhagel und Co. auf jeden Fall beendet. Nigeria muss zum Weiterkommen gegen Südkorea gewinnen und auf eine Niederlage des Europameisters von 2004 hoffen.

Nicht einmal ein Aussetzer von Bayern Münchens Martin Demichelis konnte Argentinien gegen Südkorea im winterlich kalten Johannesburg vom WM-Weg abbringen - auch wenn das Achtelfinale rechnerisch noch nicht perfekt ist. Zwar wurde der Einzug in die K.o.-Runde durch den Sieg der Griechen vertagt, am Weiterkommen zweifelt im Lager des zweimaligen Weltmeister aber niemand.

«Wir wollen diesen Weg weitergehen. Wir denken nicht an mögliche Gegner», betonte der bestens aufgelegte Maradona nach der Gala seines Teams. «Sie waren nie in der Lage, uns zu kontrollieren», meinte der Coach und nahm auch Bundesliga-Legionär Demichelis trotz dessen Blackouts in Schutz: «Er hat vielleicht ein Problem gehabt, aber das kann jedem Spieler der Welt passieren. Es hat uns nur stark gemacht.»

Der diesmal zentral spielende Lionel Messi gab der Vuvuzela-Dauerbeschallung die Schuld am Patzer von Demichelis, der den Ball an den heraneilenden Lee Chung-Yong in der Nachspielzeit der ersten Hälfte (45.+1) verlor und damit das einzige Gegentor verschuldete. Sie hätten von allen Seiten geschrien, erklärte Messi: «Man kann aber nichts verstehen.»

Dennoch hatten die argentinischen Fans unter den 82 174 Zuschauern im Soccer City-Stadium viel Grund zum Jubeln. Nachdem die «Albiceleste» durch ein Eigentor von Park Chu-Yong (16.) in Führung gegangen war, schlug Gonzalo Higuain noch dreimal eiskalt zu. Der 22- Jährige, der in der vergangenen Saison bei Real Madrid mehr Treffer erzielt hatte als Superstar Cristiano Ronaldo, setzte sich damit an die Spitze der WM-Torjägerliste.

«Es macht dich sehr glücklich, wenn Du gewinnst und zum Sieg etwas beitragen kannst», sagte Higuain, der bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss mit großem Applaus verabschiedet und anschließend als «Man of the Match» ausgezeichnet wurde. «Wir sind glücklich über das Spiel, aber nicht zu euphorisch», meinte der Matchwinner.

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