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1:0 für Ghana: Afrika jubelt, Serbien trauert

Pretoria (dpa) - 13.06.2010, 19:18 Uhr

Ghanas John Pantsil schwenkt die ghanaische Flagge.
Ghanas John Pantsil schwenkt die ghanaische Flagge.

Sie tanzten mit den Ordnern an der Eckfahne, sanken nach Schlusspfiff überwältigt auf den Rasen und schrien ihre Freude lautstark in den Nachthimmel über Pretoria: Ghanas «Black Stars» haben einen ganzen Kontinent stolz gemacht und für ein Freudenkonzert tausender Vuvuzelas gesorgt.

Deutschlands letzter Gruppengegner sorgte bei der Fußball-WM in Südafrika für den heiß ersehnten ersten Erfolg einer afrikanischen Mannschaft und setzte mit dem 1:0 (0:0) die enttäuschenden Serben vor dem Duell mit der DFB-Auswahl am 18. Juni gewaltig unter Druck. «Uns hat ein kleines, kleines Stück Konzentration gefehlt», klagte der frühere Hertha-Profi Marko Pantelic. «Wir haben unsere Chancen nicht nutzen können. Ghana war etwas glücklicher als wir.»

Für den verdienten Siegtreffer in der über weite Strecken schwachen Partie sorgte in der 84. Minute Angreifer Asamoah Gyan, der von einem Blackout des Stuttgarters Zdravko Kuzmanovic profitierte. Nach einem Handspiel des serbischen Pechvogels traf Gyan vom Elfmeterpunkt - und die Ghana-Party in Pretoria konnte beginnen. «Jeder Afrikaner steht hinter uns. Nicht nur Ghana, ganz Afrika ist glücklich», jubelte Torschütze Gyan, der noch zweimal den Pfosten traf. VfB-Profi Kuzmanovic war hingegen untröstlich: «Ich muss mich bei der Mannschaft entschuldigen. Das war ein klarer Fehler von mir und darf mir nicht passieren.»

Während der Stuttgarter traurig in die Katakomben trottete, war der gebürtige Berliner Kevin-Prince Boateng mittendrin im ghanaischen Freudentaumel. Der 23-Jährige versuchte sich in seinem zweiten Länderspiel wort- und gestenreich als Anführer im Mittelfeld. Nach Spielschluss war er dafür schweigsamer. Wortlos stapfte der Portsmouth-Profi in der Mixed Zone an den wartenden Journalisten vorbei, die Kommentierung seiner Leistung überließ er dem Leverkusener Hans Sarpei. «Er hat ein super Spiel gemacht. Wir wissen, was wir an ihm haben und sind froh, dass er da ist», meinte Sarpei.

Mit ähnlichen Erwartungen war auch Pantelic, der nach dem Abpfiff mit seinem früheren Hertha-Kollegen Boateng das Trikot tauschte, in das erste Gruppenspiel gegangen. Doch der einstige Bundesliga-Torjäger verlieh dem serbischen Offensivspiel kaum Impulse, einzig mit der Vorarbeit zur Großchance von Nikola Zigic (59.) trat der 31-Jährige positiv in Erscheinung. «Wir werden alle unsere Energie nutzen, um uns positiv auf die nächsten Spiele vorzubereiten», versprach Serbiens Trainer Radomir Antic. Sein siegreicher Landsmann und Trainerkollege Milovan Rajevac meinte: «Es ist die erste WM in Afrika. Wir sind wie ganz Afrika glücklich, dass ein afrikanisches Team ein europäisches Team geschlagen hat.»


Bei ihrer ersten WM-Teilnahme als eigenständige Nation blieben Serbiens «Weiße Adler» den Nachweis schuldig, warum sie in der deutschen Gruppe D vor WM-Beginn fest mit ihrem Achtelfinaleinzug gerechnet hatten. Behäbig, ideenlos und viel zu langsam agierten die Südosteuropäer gegen die couragiert kämpfenden Westafrikaner. Zu allem Überfluss mussten sie die letzte Viertelstunde in Unterzahl bestreiten, da Aleksandar Lukovic die Gelb-Rote Karte sah (74.).

Zu Beginn hatten die ganz in weiß gekleideten «Black Stars» mit den überzeugenden Bundesliga-Profis Prince Tagoe, Isaac Vorsah (beide Hoffenheim) und Sarpei den Gegner unter Druck gesetzt. Aber erst im zweiten Durchgang schlugen die Afrikaner, bei denen der normalerweise als Wackel-Keeper verschmähte Richard Kingson der große Rückhalt war, aus ihrer Überlegenheit Kapital. Nach Kuzmanovic' Patzer ließ Gyan ganz Afrika jubeln.

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