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Van Gaal vs. Mourinho: Lehrmeister trifft Schüler

19.05.2010, 14:13 Uhr

Louis van Gaal spricht auf einer Pressekonferenz.
Louis van Gaal spricht auf einer Pressekonferenz.

München (dpa) - Die Verabredung erfolgte noch vor dem gemeinsamen Finaleinzug per SMS. «See You in Madrid», schrieb Bayern-Trainer Louis van Gaal seinem Mailänder Widersacher José Mourinho - und dann machten die beiden Fußball-Strategen ihr Wiedersehen perfekt.

«Das ist ein guter Freund in der Fußball-Welt. Und viele Freunde hat man in der Fußball-Welt nicht», sagte van Gaal über seinen einstigen Co-Trainer beim FC Barcelona. Und auch der von Real Madrid umworbene Trainer von Inter Mailand, sonst nicht gerade als großer Schmeichler bekannt, drückte vor dem großen Finale von Madrid seine Verbundenheit aus. «Wir werden uns vor und nach dem Spiel umarmen - da bin ich mir absolut sicher», sagte der 47 Jahre alte Portugiese.

Während der 90 oder gar 120 Minuten plus Elfmeterschießen werden sich die beiden trotz ihrer Freundschaft mit allerhand strategischen Finessen auf dem Feld bekämpfen. «Er gilt als Taktikfuchs, genau so wie unser Trainer. Die werden sich schon was ausdenken, wie sie den anderen auch taktisch überraschen können», versicherte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor einem Endspiel, das mehr als in anderen Jahren im Zeichen der großen Strategen steht. Denn die Saison in der Königsklasse war nicht nur die Saison der Superstars, sondern der Trainer: Beide formten und führten zwei Teams ins Finale, die dort vor der Saison kaum jemand erwartet hatte.

Van Gaal und Mourinho haben aber auch sonst viel gemeinsam: Beide gelten als Trainer mit klarem Plan und klarer Philosophie. Sie setzen auf Ordnung und Disziplin und arbeiten so detailversessen, dass jeder ihrer Spieler zu jeder Zeit weiß, was er auf dem Platz zu tun hat. Rummenigge sprach auf einer Pressekonferenz schon von «Louis Mourinho». Das war zwar ein Versprecher, hatte aber Symbolcharakter.

Denn auch abseits des Platzes demonstrierten beide gern ihr übergroßes Selbstvertrauen - bis hin zur Arroganz. Das mag manchen verstören, aber bei ihren Spielern sind sie beliebt. «Es sind beides super Trainer», lobte Arjen Robben, der in Chelsea unter Mourinho und jetzt bei den Bayern unter van Gaal seine Turbo-Dribblings vollführt. Beide ziehen das öffentliche Interesse manchmal auch gezielt auf sich - und nehmen damit etwas Druck von der Mannschaft.


Taktisch unterscheiden sich die beiden Fußball-Analytiker allerdings deutlich. «Mein Ziel ist es, das Publikum zu begeistern und zu gewinnen. Er spielt nur, um zu gewinnen», meint van Gaal. Das Duell am Samstag sei auch das Spiel «Defensive gegen Offensive», pflichtet ihm Robben bei. «Van Gaal versucht das Spiel zu machen, Mourinho legt den Fokus auf die defensive Ordnung.» So kann einer der beiden Männer mit dem großen Ego Geschichte schreiben und als dritter Trainer nach Ernst Happel und Ottmar Hitzfeld die begehrteste Club-Trophäe der Welt mit zwei Vereinen gewinnen. Van Gaal triumphierte 1995 mit Ajax Amsterdam, Mourinho 2004 mit dem FC Porto.

Als van Gaal 1997 zum FC Barcelona kam, drohte Mourinho die Abschiebung. Aber der Portugiese ließ sich das nicht gefallen, wehrte sich - und gewann so die Anerkennung seines niederländischen Chefs. «Louis war mein Lehrer und Boss», betonte Mourinho, der zunächst nur als Dolmetscher fungierte. Doch er nutzte die Zeit, um viel vom heute 58-jährigen van Gaal zu lernen. So begann sein Aufstieg als Trainer.

Im Vorfeld des Finals gab es noch eine weitere Ähnlichkeit: Die Frage, wie es mit ihnen weitergeht. Doch während bei Mourinho ein Wechsel zu Real Madrid wahrscheinlich scheint, wird van Gaal dem ans Herz gewachsenen FC Bayern treu bleiben. Vor Wochen hatte er einmal gesagt, dass er im Fall eines Triple-Gewinns gehen würde. «Es wäre vernünftiger nach so einem Jahr fortzugehen. Denn die Erwartungen sind höher und denen kann man nicht entsprechen», sagte das selbst ernannte «Feierbiest» van Gaal. «Aber ich kann nicht weg. Ich hab schon mit Leuten für die neue Saison gesprochen und ich habe einen Vertrag.» Selbst als Triple-Gewinner könnte er noch ein weiteres Ziel mit den Münchnern verfolgen: Stilbildend zu sein. Mourinho käme so etwas nie in den Sinn.

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