Kiez steht Kopf: Party-Marathon auf St. Pauli
Hamburg (dpa) - 03.05.2010, 16:22 Uhr
Fans vom FC St. Pauli feiern auf der Hamburger Reeperbahn ihre Mannschaft.
Hamburg (dpa) - Nach achtjähriger Erstliga-Abstinenz möchte das Team des FC St. Pauli die Rückkehr in den erlauchten Kreis des deutschen Eilte-Fußballs am liebsten nonstop feiern. Schließlich steht am 15. Mai auch noch die 100-Jahr-Feier des Vereins an. Versteckt hinter dunklen Sonnenbrillen waren die Aufstiegs-Helden in Hamburg aus dem Flugzeug geklettert. Müde, aber dennoch gierig nach Jubel, Trubel, Heiterkeit. «Wir werden jetzt 14 Wochen lang feiern», kündigte Torjäger Marius Ebbers vollmundig an. Trainer Holger Stanislawski rief zunächst zwei Party-Tage aus: «Montag und Dienstag wird gefeiert. Am Mittwoch ist wieder Fußball», sagte der Coach. Hunderte Fans hatten ihn und seine Mannschaft am Flughafen mit Sprechchören («We love St. Pauli», «Nie mehr 2. Liga») in Empfang genommen und ließen sich in ihrer Euphorie auch nicht vom Hamburger Schietwetter beeinträchtigen. Die Feierlichkeiten forderten aber auch ihren Tribut. «Wir haben einen Verlust zu beklagen: unseren Geschäftsführer», gestand Sportchef Helmut Schulte und fügte schmunzelnd hinzu: «Der war nicht transportfähig.»
Die Rückreise per Flieger sei entspannt gewesen, berichtete Stanislawski. «Im Flugzeug gibt es ja nur Kaffee und Wasser. Von daher war das ein kleiner Abturner. Nachher geht es aber wieder richtig los.» Einige hätten gar nicht geschlafen, gestand der Coach mit kleinen Augen. Auch die Fans hatten die Nacht zum Tag gemacht. Die 9000 nach Fürth gereisten Anhänger feierten in Mittelfranken mit den Spielern, mehr als 10 000 St.-Pauli-Sympathisanten machten auf dem Hamburger Kiez ein Fass auf. Die Reeperbahn musste für den Verkehr gesperrt werden. Bevor Stanislawski nach dem entscheidenden 4:1 in Fürth «das eine oder andere Kaltgetränk» genoss, hatte er sich außerhalb des Stadions eine ruhige Ecke zur gedanklichen Einkehr gesucht. Die Pressekonferenz musste ohne den Hauptverantwortlichen des fünften Bundesliga-Aufstiegs der Vereinsgeschichte stattfinden. «Den Aufstieg widme ich meiner Mutter, die schon sehr lange krank ist», sagte der 40 Jahre alte Fußballlehrer. |