Leipzig (dpa) - 25.04.2010, 13:54 Uhr
Fußbälle liegen beim Training auf dem Rasen.
Ein halbes Jahr nach dem Neonazi-Angriff von Brandis haben Rechtsextreme in der Leipziger Fußball-Bezirksklasse erneut einen Spielabbruch provoziert.
Die Begegnung zwischen dem SV Mügeln/Ablaß und Roter Stern Leipzig wurde in der 80. Minute wegen Schmähgesängen einiger der knapp 600 Zuschauer gegen Juden und Homosexuelle abgebrochen. «Das konnte ich nicht länger durchgehen lassen», begründete der Leipziger Schiedsrichter Winfried Bohrmann seine Entscheidung. Zu dem Zeitpunkt führte Mügeln mit 2:0.
Der Referee hatte das Spiel bereits in der 28. Minute für etwa 25 Minuten unterbrochen, weil es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Leipziger Fans gekommen war. Ein Tatverdächtiger, der an den Schmähgesängen beteiligt gewesen sein soll, wurde durch die Polizei ermittelt. Eine Auswertung des Videomaterials zu weiteren Tatbeteiligten erfolgt in den kommenden Tagen, teilte die Polizei am Sonntag mit. Zudem wird gegen einen Leipziger Fan wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Er soll einen am Boden liegenden Mügelner mehrfach getreten haben.
Roter Stern Leipzig ist in dieser Saison bei Auswärtsspielen schon mehrfach Angriffsziel von Rechtsextremen geworden. Meistens konnte ein entsprechendes Polizeiaufgebot aber die Spiele absichern. Aber am 24. Oktober 2009 hatten rund 50 Neonazis die Partie FSV Brandis - Roter Stern überfallen. Bei der Prügel-Attacke waren etliche Zuschauer und auch Spieler aus Leipzig zum Teil schwer verletzt worden. Zwei der ermittelten Straftäter von Brandis wurden mittlerweile zu Haftstrafen verurteilt.