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Hertha auf Rasierklinge - Chaoten sollen mit haften

Berlin (dpa) - 25.03.2010, 16:24 Uhr

Hertha-Geschäftsführer Schiller (l) und Geschäftsstellenleiter Herrich stehen im DFB-Sportgerichts zusammen.
Hertha-Geschäftsführer Schiller (l) und Geschäftsstellenleiter Herrich stehen im DFB-Sportgerichts zusammen.

Nach der deftigen Strafe des DFB-Sportgerichts sucht Hertha BSC den am wenigsten schmerzhaften Weg zurück in die Normalität - es ist in den auch sportlich turbulenten Zeiten ein Tanz auf der Rasierklinge.

Einerseits sieht sich Hertha für Randale verurteilt, für die nicht einmal der Richter ein eindeutiges Verschulden des Vereins feststellen konnte. Auf der anderen Seite muss der Berliner Fußball-Bundesligist die ganze Härte auch an die Randalierer weitergeben, ohne den großen Bruch mit den treuesten Fans zu provozieren. «Wir sitzen alle in einem Boot, insofern sind wir doppelt bestraft», sagte Manager Michael Preetz am Tag nach der DFB- Strafe, die das Tabellen-Schlusslicht zusätzlich belastet.

Hertha muss gegen den VfB Stuttgart den kompletten Fanblock mit 7500 Zuschauern sperren, aus dem am 13. März nach dem 1:2 und dem damit verbundenen gefühlten Abstieg gegen den 1. FC Nürnberg rund 150 Chaoten auf den Rasen gestürmt waren und Sachschäden angerichtet hatten. Auch die 6350 Fans, die für diesen Block ein Jahresticket haben, dürfen am 10. April nicht ins Olympiastadion. Der Verein will dies mit Hilfe von szenekundigen Beamten, Namenslisten und Fotos sicherstellen. Alle anderen rund 25 000 Berliner Kartenbesitzer, die im Vorverkauf oder als Jahresticket das Stuttgart-Spiel schon gebucht haben, «dürfen ins Stadion», versicherte Preetz. Mit dem Stuttgarter Anteil von maximal 10 Prozent am insgesamt 72 400 Fans fassenden WM- Endspiel-Stadion von 2006 werden rund 33 000 Zuschauer beim Hertha-«Strafspiel» dabei sein.

Preetz will «den Dialog mit unseren Fans» unbedingt weiterführen; sein Geschäftsführer-Kollege Ingo Schiller kündigte allerdings auch zivilrechtliche Schritte für identifizierte Randalierer an: «Das behalten wir uns vor.» Für die 50 000 Euro Strafe und den gesamten materiellen Schaden von geschätzten 350 000 Euro sollen auch die Chaoten mit haften. Erst einmal aber sei das Hauptaugenmerk darauf gerichtet, die Ermittlungen über den Vorfall weiter voranzutreiben, unterstrich Schiller. 23 sogenannte Fans haben inzwischen ein dreijähriges bundesweites Stadionverbot bekommen, weitere sollen folgen. Differenzierungen sind notwendig.

In zahlreichen Internet-Foren wird die Gefahr deutlich, die sich schon beim jüngsten 5:1-Sieg der Berliner in Wolfsburg gezeigt hatte, als die Profis nach «Absteiger-Absteiger»-Rufen eines Fan-Teils eine gemeinsame Feier in der Kurve verwehrt hatten. Wahre Hertha-Fans mit Dauerkarte würden diskriminiert und mit den Chaoten gleichgestellt, heißt es nun in den Foren. «Wenn man in Kreuzberg wohnt, ist man auch automatisch ein Mai-Randalierer?», fragte ein Internet-Nutzer. So oder so: «Der Image-Schaden ist nicht zu beziffern», sagte Schiller.


Auch sportlich ist der Fan-Ausschluss für die Berliner natürlich problematisch, auch wenn Trainer Friedhelm Funkel gern alle Konzentration auf das nächste Heimspiel gegen Borussia Dortmund gerichtet sehen möchte. «Wir wollten uns jetzt erst einmal mehr mit diesem Spiel beschäftigen und alles tun, um es zu gewinnen», erklärte der Chefcoach. Die Konkurrenz hat längst die Nebenkriegsschauplätze eröffnet. Nürnbergs Manager Martin Bader warf Hertha via Fachblatt «kicker» vor, «Club»-Torwart Raphael Schäfer als möglichen Provokateur beim DFB angeschwärzt zu haben: «Wenn Hertha das als Mittel im Abstiegskampf macht, dann ist das neu im Fußball.»

Kollege Preetz wies dies scharf zurück: «Wir haben Raphael Schäfer nicht angeschwärzt oder angezeigt.» Der DFB-Kontrollausschuss sei bereits durch Berichte auf das mögliche Fehlverhalten aufmerksam geworden. In der vom DFB geforderten Stellungnahme habe Hertha dann alle Facetten beleuchtet und auch Zeugenaussagen zu Schäfers Verhalten aufgeführt, berichtete der Manager. Es bleibt für den Hauptstadtclub die schwierigste Situation seit 13 Jahren.

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