Stimmungstest pro Blatter - Nagelprobe Südafrika
Zürich (dpa) - 21.03.2010, 11:56 Uhr
FIFA-Präsident Joseph S. Blatter will für mindestens eine weitere Amtsperiode bis 2015 kandidieren.
FIFA-Präsident Joseph Blatter hat im Machtgeplänkel an der Spitze des Fußball-Weltverbandes einen Teilerfolg gefeiert. Das Exekutiv-Komitee der FIFA erteilte einem Antrag von Blatter-Gegner Mohamed Bin Hammam, der die Amtszeit von FIFA-Präsidenten begrenzen will, eine klare Absage. Zweieinhalb Monate vor Beginn der WM in Südafrika kann sich Blatter nun voll und ganz auf sein Prestigeprojekt konzentrieren. Diese Runde ging an den Schweizer. Doch mehr als ein Stimmungstest war das Votum ohnehin nicht. Die Nagelprobe für Blatter folgt im Juni - beim FIFA- Kongress und der WM in Südafrika. Nüchtern und sachlich hatte er am Freitag in Zürich nach der Exekutiv-Sitzung verkündet, Brunei aus der FIFA auszuschließen, den Irak wiederaufzunehmen, Chile und Haiti nach den Erdbeben zu helfen und noch so manch andere Entscheidung. Gefühlsregung? Fehlanzeige. Erst als Blatter - fast beiläufig - auf den Vorstoß Bin Hammams zu sprechen kam, huschte ein Lächeln über sein Gesicht. «Der Antrag wurde mit 15 zu 5 Stimmen abgelehnt», teilte der Chef des größten Sportverbandes der Welt mit.
Bin Hammam, der Präsident des asiatischen Fußball-Verbandes AFC, hatte vorgeschlagen, die Amtszeiten der künftigen FIFA-Präsidenten auf zweimal vier Jahre zu beschränken. Der Antrag klingt zunächst nicht sonderlich spannend, wird aber brisant durch die Tatsache, dass der Funktionär aus Katar Blatter an der Spitze der FIFA ablösen will. Im Februar hatte Bin Hammam angedeutet, bei der Präsidentschaftswahl im Juni 2011 gegen den mächtigen Schweizer antreten zu wollen. Ein ohnehin kühner Plan, der durch die Entscheidung der Exekutive nun einen Dämpfer erhalten hat: Bin Hammam hatte bei den FIFA-Oberen vorgefühlt, die erhoffte Rückendeckung von seinen Kollegen blieb ihm verwährt. Blatters aktuelle Amtszeit und auch seine Kandidatur im nächsten Jahr («Meine Mission ist noch nicht beendet») hätte der Antrag ohnehin nicht gefährdet, wie der FIFA-Boss selbst betonte: «Wenn der Vorschlag durchgegangen wäre, hätte er keinen Einfluss auf die jetzigen Amtsträger und betreffe erst den nächsten Präsidenten.» |