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Schiedsrichter-Chef Roth hört zum 9. April auf

Frankfurt/Main (dpa) - 16.03.2010, 15:51 Uhr

Volker Roth (Foto von 2005) wird voraussichtlich bis zum 9. April Schiedsrichter-Chef bleiben.
Volker Roth (Foto von 2005) wird voraussichtlich bis zum 9. April Schiedsrichter-Chef bleiben.

Frankfurt/Main (dpa) - Volker Roth beugt sich im Schiedsrichter-Skandal dem öffentlichen Druck: Der 68-Jährige aus Salzgitter wird früher als ursprünglich geplant das Zepter als Schiedsrichter-Chef beim Deutschen Fußball-Bund an Herbert Fandel übergeben, erwägt aber keinen kurzfristigen Rücktritt.

«Ich mache weiter bis zum Verbandstag am 9. April, ganz klar», sagte der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses im DFB der Deutschen Presse-Agentur dpa. Auf dem Außerordentlichen Bundestag in Frankfurt am Main am 9. April soll nun der 46-jährige Fandel Roth ablösen. Ursprünglich wollte der ehemalige FIFA-Referee, der im Fall Amerell in die Kritik geraten war, den Stabwechsel erst beim turnusgemäßen Bundestag im Oktober.

Fandel machte sich allerdings dafür stark, dass Roth bis zum Saisonende im Fußball tätig bleibt. «Es würde Sinn machen, dass Volker Roth die Saison zu Ende macht», sagte der frühere FIFA-Referee und sprach sich für einen Übergang zur neuen Spielzeit in den Bundesligen aus. Roth ist für die Einteilung der Schiedsrichter von der 1. bis 3. Liga zuständig. «Man muss das in Ruhe klären, das ist mir wichtig», sagte Fandel, «mit Volker Roth ist in den letzten Wochen in der Öffentlichkeit ziemlich despektierlich umgegangen worden. Das ist nicht in Ordnung.» Der langjährige Spitzen-Schiedsrichter Fandel aus Kyllburg hatte gemeinsam mit DFB-Abteilungsleiter Lutz Michael Fröhlich und Hellmut Krug von der DFL ein Konzept erarbeitet und dieses dem DFB-Präsidium vorgestellt.

Unterdessen fordern auch die Funktionäre der Landesverbände Konsequenzen aus dem ganzen Theater, damit die Branche nicht weiteren Schaden erleidet. In einer dpa-Umfrage verlangte der badische Schiedsrichter-Obmann Jürgen Groh klare Vorgaben vom DFB, was die Bewertungen und Beförderungen von Unparteiischen betrifft: «Das Ganze muss transparenter werden.» Sein rheinländischer Kollege Detlef Schütz meinte: «Die Personalplanung muss geändert werden. Bisher war die Praxis doch die: Wer es nicht mit Ende 20 nach oben geschafft hat, der schafft es auch nicht mehr.»

Der Saarländer Heribert Ohlmann fürchtet allerdings, dass «das Schiedsrichter-Wesen insgesamt unter dem Fall Amerell gelitten hat». Ob sich nun aber der Nachwuchs zurückzieht, ist nicht abzuschätzen. «Das wird man erst sehen, wenn in zwei, drei Wochen die neuen Kurse ausgeschrieben werden. Der Fall Hoyzer hatte damals jedenfalls keine großen Auswirkungen», so Ohlmann. «Es ist eher ein grundsätzliches Problem, Schiedsrichter zu gewinnen, weil es nicht so attraktiv ist und man sich oft in einem aggressiven Umfeld bewegt.»


Als langjähriger Top-Referee und Funktionär kennt DFB-Obmann Roth dieses Umfeld bestens. Er betonte, dass DFB-Präsident Theo Zwanziger wegen eines vorzeitigen Abschiedes «bisher nicht mit mir gesprochen hat». Lediglich Karl Rothmund, der Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes, habe ihn angerufen. Bei der Präsidiums- und Vorstandssitzung des DFB am 12. März hatte nicht nur Reinhard Rauball als Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) auf eine schnelle Ablösung Roths gedrängt und gesagt: «Ich vertraue darauf, dass Herr Zwanziger ein Gespräch mit Herrn Roth sucht, ob es möglich ist, dass er sein Amt am 9. April an Herrn Fandel übergibt.»

Dass Roth nicht sofort abberufen wird, begründeten Zwanziger und Rauball mit den Verdiensten des früheren FIFA-Referees. «Sicher hat er das Schiedsrichterwesen nicht mit der Offenheit geführt, wie wir das jetzt machen wollen. Eine Abberufung wäre aber das schärfste Mittel», sagte Rauball, der einst sogar von einem «Geheimbund» gesprochen hatte.

Roth hatte am 17. Dezember als Erster von Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter erfahren, dass dieser Amerell sexuelle Belästigung vorwirft. Erst einen Monat später informierte er davon Zwanziger. «Ich habe mir nichts vorzuwerfen», sagt Roth bis heute. Er habe erstmal recherchieren müssen, was passiert sei. «Außerdem lagen die Weihnachtsfeiertage dazwischen und der DFB-Präsident war im Urlaub.»

Als Sündenbock sieht sich Roth nicht. «Ich will kein Theater», sagt er. «Ich habe meine Arbeit beim DFB gemacht, das ist schon in Ordnung.» Roth ist seit 15 Jahren Vorsitzender des Schiedsrichter- Ausschusses. Als Unparteiischer pfiff er zwischen 1971 und 1986 128 Bundesliga-Spiele und war auch Referee bei der EM 1984 in Frankreich und der WM 1986 in Mexiko.

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