«Schwule Schiris sind nicht wohlgelitten im deutschen Schiedsrichterwesen, wenn sie sich offen verhalten. Deshalb ist es verständlich, dass sich Herr Amerell in seinen Aussagen sehr zurückgehalten hat», sagte Littmann. «Für Menschen, die sich in so einem Umfeld bewegen, sind das schlicht Überlebensstrategien.» Amerells Verhalten sei typisch für jemanden, der jahrelang nicht offen mit seiner Sexualität umgegangen sei. Auch das Vorgehen der DFB-Spitze um Zwanziger sieht Littmann kritisch: «Man kann das formal betrachten und feststellen, dass Manfred Amerell von seinen Ämtern zurückgetreten ist. Damit macht man sich das relativ einfach.» Insgesamt reime es sich zu einer «äußerst unglücklichen Umgangsweise» zusammen. «Der Vergleich Zwanzigers vom Abhängigkeitsverhältnis zwischen Lehrer und Schüler hinkt. Darauf wird es sich nicht reduzieren lassen», sagte Littmann. Während der DFB den Fall nach einer internen Untersuchung als abgeschlossen betrachtet, wird der Süddeutsche Verband, dem der Augsburger Amerell angehört, eine Kommission zur weiteren Aufklärung der Vorwürfe einsetzen. «Da lassen wir nicht locker. Wir wollen auch wissen: Wer hat Augen und Ohren zugehalten, wer hat also geschwiegen und weggeguckt?», sagte Verbandspräsident Rolf Hocke der «Frankfurter Rundschau». Größeren Einfluss der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf das Schiedsrichterwesen verlangten derweil prominente Vertreter von Profi-Clubs. «Die Schiedsrichter gehören zur DFL, weil sie für die Profiligen zuständig sind», sagte Stuttgarts Sportdirektor Horst Heldt im «kicker» und schloss sich einer Forderung von Schalkes Trainer Felix Magath an. Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs sprach sich für eine verbesserte Zusammenarbeit von DFB und DFL aus, meinte aber, eine Ausgliederung der Schiedsrichter in den DFL-Bereich müsse nicht unbedingt erfolgen. Ähnlich äußerte sich Manager Christian Heidel vom FSV Mainz 05. Heidel stellte jedoch fest: «Augenblicklich hat die DFL zu wenig Mitspracherecht.» Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen erklärte: «Ich war früher im Schiedsrichterausschuss, der Einfluss der DFL ist dort verschwindend gering.»
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