Theo Zwanziger besorgt: «Ungeheure Kriminalität»
Düsseldorf (dpa) - 23.12.2009, 12:43 Uhr
Theo Zwanziger zeigt besorgt über die Ausmaße des Wettskandals.
DFB-Präsident Theo Zwanziger ist im Zuge des Wettskandals besorgt über die «ungeheure Kriminalität», die durch organisierte Banden Einfluss auf den Fußball nimmt. «Ich hätte das nicht für möglich gehalten, dass so minuziös strukturiert versucht wird, mittel- und langfristig Fußballclubs zu unterwandern», sagte er in einem Interview mit der «Frankfurter Rundschau» und dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Mit Kriminalität werde ein Sportverband mit eigenen Mitteln nicht fertig. «Wir werden uns externe Beratung holen», kündigte Zwanziger an. «Wir brauchen Leute, die sich in diese verrückten Gehirne solcher Krimineller hineindenken können.» Nach der Akteneinsicht erwartet Zwanziger, dass nicht alle möglichen illegalen Spiel-Beeinflussungen geahndet werden könnten. «Manipulationen in 32 deutschen Spielen werden kaum zu beweisen sein», erklärte er. «Wir werden aber einige Spieler überführen können, das wird jetzt in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft geschehen.»
Erneut forderte der 64-jährige Jurist die kontrollierte Liberalisierung des Wettmarktes. «Denn mit mehreren Anbietern, die genau kontrolliert werden, kann zumindest diese Ertragsschraube nach unten vermieden werden», sagte Zwanziger. «Wenn das nicht geht, dann sollte man Fußballwetten generell verbieten.» Nach der Vertragsverlängerung mit Joachim Löw hat Zwanziger seinem Topangestellten noch einmal den Rücken gestärkt: «Mein Vertrauen in diesen Bundestrainer und sein Team ist so groß, dass ich jederzeit mit ihnen weitermachen würde.» Dies gelte auch für den Fall, dass die Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika hinter den Erwartungen zurückbleiben sollte. «Dann gilt bei mir: Auf ein Neues, packen wir es an.» Nachdenklicher ist Zwanziger beim Thema Homosexualität und Fußball sowie der Frage, ob sich Spieler problemlos outen können, geworden. «Wir können ihm helfen. Aber wenn Sie mir diese Frage vor drei Monaten gestellt hätten, hätte ich etwas bedenkenloser 'ja' gesagt», meinte Zwanziger. In Politik, Kunst und Kultur sei das ja kein Problem mehr. «Aber der Profifußball ist da offenbar noch einmal fester gefügt», stellte Zwanziger fest. «Der erste Homosexuelle, der sich im Profifußball outet, wird keinen leichten Weg zu gehen haben.»
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