Wettskandal: Oberneuland wehrt sich gegen Verdacht
Frankfurt/Main (dpa) - 06.12.2009, 17:50 Uhr
Werbung für Sportwetten klebt an der Schaufensterscheibe eines Wettbüros.
Im Fußball-Wettskandal ist die Regionalliga-Partie zwischen dem FC Oberneuland Bremen und dem FC St. Pauli (0:2) vom 19. September ins Zwielicht gerückt. Oberneulands Geschäftsführerin Karen Micheli bestätigte einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel»: Sie habe einen anonymen Anruf bekommen, wonach das Spiel verschoben worden sei. «So lange nichts bewiesen ist, stelle ich mich vor meine Mannschaft», betonte sie unmittelbar vor der Partie ihres Clubs gegen Türkiyemspor Berlin. In den Akten der Staatsanwaltschaft Bochum soll nach Angaben des Magazins stehen, dass «die gesamte Mannschaft» der Gastgeber «eigene Wetten auf den Gegner platziert» habe. Derweil führen die Spuren im Skandal bis in die 1. Bundesliga. Micheli hatte den Verdacht beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gemeldet, dort hätte das Frühwarnsystem der Wettüberwacher keine Auffälligkeiten ergeben. «Ich sehe es ein bisschen kritisch, ob da was dran ist, und möchte Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft», sagte Micheli. Bis auf den anonymen Anruf habe sie keine weiteren Hinweise. Sie habe auch noch keinen Anwalt eingeschaltet, weil keine Anzeige gegen ihre Spieler vorliege. Die Geschäftsführerin hat die ganze Mannschaft eine Eidesstattliche Versicherung unterschreiben lassen. Im Übrigen, so Micheli, sei ihr bei besagtem Spiel nichts aufgefallen: «Das Ergebnis passte zu unserer sportlichen Leistung. Wir hatten damals auch ein Trainerproblem. An dem 0:2 war nichts Auffälliges.»
DFB-Vizepräsident Rainer Koch bestätigte, das sich Oberneuland an den Verband gewandt hatte: «Wir haben letzte Woche recherchiert, aber keine Auffälligkeiten festgestellt», sagte er. Koch verwies darauf, dass der Dachverband noch keine Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft erhalten habe: «Wir sind jedoch guter Dinge, dass dies zeitnah geschieht.» Schließlich gehe es nicht nur um die Strafverfolgung in diesem Fall, sondern auch darum «den Wettbewerb zu schützen». Wie «Der Spiegel» in seiner neuen Ausgabe weiter berichtet, führen im Ermittlungsverfahren der Bochumer Staatsanwaltschaft gegen eine Bande mutmaßlicher Wettbetrüger Spuren bis in die Fußball- Bundesliga. Einer der Hauptbeschuldigten, ein Kroate, soll bis kurz vor seiner Verhaftung am 19. November eine enge Verbindung zu einem Profi aus Osteuropa gehabt haben, der jahrelang in der Bundesliga spielte. |
Der Fußballer, der noch immer aktiv ist, soll bei dem in Nürnberg ansässigen Kroaten, einem Betreiber mehrerer Wettbüros, «30 000 Euro Schulden gehabt haben». Diese Hinweise sollen die Bochumer Ermittler durch das Abhören von Telefongesprächen des Beschuldigten erhalten haben. Nach Ansicht der Beamten soll der 34 Jahre alte Kroate ein «Kopf des Netzwerks» gewesen sein. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum zufolge soll der kroatische Wettbüro-Betreiber unter dem Verdacht stehen, durch seinen Kontakt in Spielerkreise ein Drahtzieher bei den Manipulationen gewesen zu sein. Das hatte der Anwalt eines in Untersuchungshaft sitzenden Mannes aus Herten vor mehr als einer Woche nach Ansicht der Ermittlungsunterlagen erklärt. Sowohl der Kroate als auch der Fußballprofi aus Osteuropa tauchten bereits in einem anderen Ermittlungsverfahren einer süddeutschen Staatsanwaltschaft aus dem Jahr 2006 auf, schreibt das Nachrichtenmagazin. Damals wurde gegen den Kroaten wegen des Verdachts der «Bildung einer kriminellen Vereinigung» und des «gewerbsmäßigen Bandenbetrugs» ermittelt. Es habe der Verdacht bestanden, dass Spiele im deutschen Profifußball manipuliert und auf den Ausgang der Partien hohe Wetten platziert werden. Ins Visier der Ermittler war neben dem auch jetzt verdächtigen Profi aus Osteuropa damals ein weiterer Spieler geraten, der noch heute bei einem deutschen Erstligisten unter Vertrag stehen soll: Laut «Spiegel» handelt es sich um einen «Mittelfeldmann vom Balkan».
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