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DFB mit Sorgen: Kaum Informationen aus Bochum

Berlin (dpa) - 02.12.2009, 15:54 Uhr

Die Vorsitzende des Ausschusses Dagmar Freitag (SPD).
Die Vorsitzende des Ausschusses Dagmar Freitag (SPD).

Auch zwei Wochen nach Bekanntwerden des neuen Wettskandals verfügen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) noch nicht über detaillierte Ermittlungsergebnisse der ermittelnden Staatsanwaltschaft Bochum.

«Wir machen uns ein klein wenig Sorge darüber, dass die Verbände bislang nicht in die Informationen miteinbezogen werden. Das führt auch dazu, dass viele Spieler, viele Vereine mit Vorwürfen bedacht werden, ohne dass wir konkret sagen können, dem ist so oder dem ist nicht so», sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch im Bundestags-Sportausschuss.

Es gebe bisher aber keine Anhaltspunkte dafür, dass Schiedsrichter verwickelt seien, fügte Koch hinzu. Er appellierte an den Sportausschuss, den Verbänden die Mithilfe bei der umfassenden Aufklärung des Skandals zu ermöglichen. Im Interesse von Fans, Spielern, Mannschaften und Vereinen müssten alle Manipulationen auch in unteren Ligen aufgedeckt werden. «Wir haben Sorge, dass die Strafverfolger schon an einem Punkt zufrieden sind, wo es bei uns erst losgeht», betonte Koch.

Dass das nationale Frühwarnsystem nicht angeschlagen habe, liege auch daran, dass man es mit illegalen Wettmärkten in Asien zu tun habe. Dem stimmte auch der Leiter des Frühwarnsystems beim Fußball-Weltverband FIFA, Wolfgang Feldner, zu. «Wir können nur so gut arbeiten, wie wir Möglichkeiten haben, sagte Feldner. 90 Prozent der Manipulationen hätten wegen der hohen oder sogar fehlenden Einsatzlimits ihren Ursprung in Asien.

Auf Widerspruch bei den Parlamentariern stieß der Vorschlag von Koch, den deutschen Wettmarkt zu liberalisieren, um damit die internationalen Märkte ein wenig auszutrocknen. «Ich kann nicht sehen, dass das zu einer Entspannung der derzeitigen Situation beitragen würde», sagte die neue Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD).


Zur Verhinderung weiterer Sport-Wettskandale sollten Verbände und Vereine nach Ansicht der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International verstärkt vorbeugend tätig werden. Dies forderte die Vorsitzende der deutschen Abteilung, Sylvia Schenk. Die ehemalige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) verwies auf Wirtschaft und Verwaltung, wo es teilweise große Abteilungen gebe, die sich mit Korruptionsabwehr beschäftigten. Erfahrungsgemäß sei allenfalls die Spitze des Eisberges in dem Skandal zu erkennen. Die Dunkelziffer bei Korruption liege bei bis zu 90 Prozent.

Die Wettbetrüger seien offenbar gezielt auf Leute zugegangen, die labil seien oder Wettschulden gehabt hätten. «Wenn das die Manipulateure können - wo sind dann die Vereinsoffiziellen?», fragte Schenk. Fußball sei ein besonders gefährdeter Bereich mit schnell hochgejubelten jungen Leuten, viel Geld und einem problematischen Umfeld. «Nach allem, was ich jetzt so höre, ist eine Zockermentalität unter Fußballern sehr verbreitet», sagte Schenk vor der Anhörung im Ausschuss der «Berliner Zeitung». Sie verlangte, jeder Verein bis mindestens zur Dritten Liga solle einen Ethik-Code und schriftliche Richtlinien haben. Wer kein entsprechendes Programm aufbaue und umsetze, müsse hart bestraft werden bis hin zum Zwangsabstieg.

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