Merkel zum Tod Enkes: Machen uns etwas vor
Hamburg (dpa) - 18.11.2009, 10:19 Uhr
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist 2008 Zuschauer beim EM-Finale Spanien - Deutschland.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in der «ZEIT» über die möglichen Lehren aus dem Tod des Fußball-Nationalspielers Robert Enke geäußert. Vielen Menschen gebe das Geschehene die Möglichkeit, offener über Ängste und psychische Erkrankungen zu sprechen. «Wenn man krank ist oder etwas nicht kann, sollte man es ruhig sagen», erklärte die Regierungschefin in der Wochenzeitung. Der Tod des Torwarts, der an Depressionen litt, habe deshalb so viele Menschen berührt, «weil sich an einem berühmten Beispiel etwas zeigt, wovor viele Angst haben und was viel öfter passiert, als wir es uns vor Augen führen». Sie hoffe, dass nun «Mitmenschen Verständnis für diese Krankheit entwickeln und sie nicht stigmatisieren».
Auch in der Politik würden psychische Erkrankungen tabuisiert, ergänzte Merkel in dem «Zeit»-Interview: «Die Politik ist immer ein Spiegel der Gesellschaft - einer Gesellschaft, in der über psychische Erkrankungen generell nicht offen gesprochen wird. Aber auch in der Wirtschaft nicht, gerade dort also, wo Menschen sehr hohem Stress ausgesetzt sind.» Dabei seien die «graduellen Unterschiede zwischen gesund und krank» sehr klein, so die Kanzlerin: «Da machen wir uns in der Gesellschaft etwas vor.» Das Gefühl, möglichst stark erscheinen zu müssen, ist auch Angela Merkel nicht fremd: «Besser ist es. Dann habe ich weniger Ärger.» Wenn ihr auf der Regierungsbank mal die Augen zufielen, «habe ich viel Nacharbeit zu leisten».
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