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WM-Start: Frankreich jubelt - Alle anderen zittern

Hamburg (dpa) - 15.11.2009, 15:13 Uhr

Der Ire Doyle (r) stürzt bei einem Zweikampf mit dem Franzosen Evra.
Der Ire Doyle (r) stürzt bei einem Zweikampf mit dem Franzosen Evra.

Frankreich hat das Ticket zur Fußball-WM 2010 fast in der Tasche, alle anderen Playoff-Teilnehmer müssen bis zum Abschluss der Europa-Qualifikation am 18. November um ihre Endrunden- Teilnahme in Südafrika weiter bangen.

Der Vizeweltmeister verschaffte sich mit dem 1:0-Erfolg in Irland eine glänzende Ausgangsposition und kann im Stade de France nun alles klar machen. «Jetzt haben wir es selbst in der Hand», meinte der umstrittene Coach Raymond Domenech zufrieden. Portugal beim 1:0 gegen Bosnien und der deutsche Gruppen- Gegner Russland mit dem 2:1 gegen Slowenien feierten zwar Heimsiege, müssen aber gegen starke Widersacher noch auswärts bestehen. Der von Otto Rehhagel betreute Ex-Europameister Griechenland enttäuschte beim 0:0 gegen die Ukraine - damit stehen die Trainer-«Oldies» Rehhagel und Giovanni Trapattoni (Irland) vor dem möglichen Karriereende.

«Rehakles» hält den Traum von seiner ersten WM-Teilnahme trotz des lausigen Auftritts gegen die Ukraine weiter aufrecht. «Wir haben noch alle Chancen. Mir war sowieso klar, dass es erst im zweiten Spiel entschieden wird», sagte der 71-Jährige vor dem Rückspiel in Donezk, wo seine achtjährige Mission abgepfiffen werden könnte. Rehhagels Vertrag läuft noch bis zum Ende der WM. Schaffen es die Griechen nicht nach Südafrika, ist wohl Schluss. «Alles, was außerhalb des Spiels ist, werden wir eine Woche später besprechen», blockte er Nachfragen ab. Indes: Die heimstarken Ukrainer um Torjäger Andrej Schewtschenko haben nach dem Hinspiel-0:0 die besseren Karten.

Das gilt nach dem Sieg in Dublin, wo Nicolas Anelka (72.) den Iren die erste Niederlage in dieser WM-Ausscheidung beibrachte, erst recht für die Franzosen. Dennoch warnt Thierry Henry seine Kollegen vor Selbstzufriedenheit. «Es ist noch nicht vorbei. Es wird ein ziemlich hartes Spiel», mahnte der Kapitän wohlwissend, dass Irland in der Gruppenphase Weltmeister Italien zwei Unentschieden abrang. Auch wenn es nicht gut aussieht, will wie Rehhagel auch Trapattoni bis zur letzten Minute kämpfen. «Wir haben immer noch 90 Minuten in Paris», betonte der «Maestro», der ebenfalls nichts über seine Zukunft sagte.

Den erwarteten Heimsieg feierte Portugal - allerdings mit viel Glück. Als nach drei Aluminium-Treffern der Bosnier der erlösende Schlusspfiff ertönte, gestand Mittelfeld-Star Deco: «Wir hatten am Ende mächtig Dusel.» Während der Außenseiter mit den Bundesliga- Profis Edin Dzeko, Vedad Ibisevic, Zvjezdan Misimovic und Sejad Salihivic mit seinem Pech haderte, bejubelten 62 000 Fans im Estadio de la Luz das 1:0 schon wie die erfolgreiche WM-Qualifikation. Der TV-Sprecher dankte hinterher völlig zu Recht dem «Pfostengott».


Ein Ruhekissen ist der knappe Sieg vor dem Rückspiel in Zenica aber nicht. «Wir haben das Ticket noch nicht in der Tasche», warnte Trainer Carlos Queiroz, der trotz kühler Temperaturen schweißgebadet war. Kein Wunder: Dzeko und Zlatan Muslimovic (89.) trafen Pfosten und Latte, die zuvor schon Senijad Ibricic (43.) anvisiert hatte. Den Sieg sicherte Abwehrchef Bruno Alves (31.), doch Bosniens Trainer Miroslav Blazevic betonte: «Ich bin überzeugt, wir fahren zur WM».

In Russland schlichen die Sieger wie begossene Pudel vom Feld, die Slowenen warfen euphorisch Trikots ins Publikum. Das knappe 1:2 auf dem Kunstrasen des Luschniki-Stadions lässt dem Außenseiter alle Chancen auf die zweite WM-Teilnahme nach 2002. Dafür muss Russlands Erfolgstrainer Guus Hiddink um seine vierte WM-Teilnahme in Serie mit vier verschiedenen Teams zittern. «Das Ergebnis ist enttäuschend, jetzt wird es in Maribor schwer», stellte der Niederländer fest. Nach zwei Treffern durch «Joker» Dinijar Biljaletdinow sah alles bestens aus, doch Necj Pecniks später Gegentreffer macht wieder alles offen.

Ein «Aus» hätte für Russlands Fußball verheerende Konsequenzen, meinte «Sowjetski Sport»: Hiddink würde seinen auslaufenden Vertrag kaum verlängern, und die Bewerbung des Landes um die WM 2018 würde einen schweren Imageschaden erleiden.

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