DFB-Präsident Zwanziger mit Leo-Baeck-Preis geehrt
Berlin (dpa) - 04.11.2009, 14:45 Uhr
Theo Zwanziger spricht in Berlin zu den Gästen der Verleihung des Leo-Baeck-Preises 2009.
Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, ist vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis geehrt worden.
Der 64-Jährige erhielt die Auszeichnung am 4. November in Berlin aufgrund seines langjährigen Einsatzes gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung im Fußball. Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch hob vor allem Zwanzigers Engagement gegen Rechtsextremismus hervor. Der DFB-Chef habe «stets dafür gesorgt, dass braunes Gedankengut im Sport keine Chance hat», sagte Knobloch. Zwanziger ist der erste Preisträger aus dem Sport, der die seit 1957 verliehene Auszeichnung erhält.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnet DFB-Präsident Theo Zwanziger als «vorbildlichen Verantwortungsträger, nicht nur im Sport, sondern in unserer freiheitlichen Gesellschaft insgesamt». Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, lobt Zwanzigers «couragierte, aufgeklärte und offensive Art» bei der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.
Die Auszeichnung, die an den 1956 gestorbenen jüdischen Wissenschaftler und Rabbiner Leo Baeck erinnert, wurde zum ersten Mal an einen Funktionär des Sport überreicht. «Ich hoffe, dass dies die Bedeutung unterstreicht, die dem Sport als friedenstiftendes Element innerhalb unserer Gesellschaft zukommen kann», sagte Knobloch.
In seiner Dankesrede sagte Zwanziger: «Dass ich mich in die Riege so großartiger Persönlichkeiten einreihen darf, erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit und ehrlicher Demut.» Zu den Preisträgern seit 1957 zählen die ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, Roman Herzog und Johannes Rau, Altkanzler Helmut Kohl, Schriftsteller Ralph Giordano, die Verleger Hubert Burda und Friede Springer sowie zuletzt vor zwei Jahren Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Der rheinland-pfälzische Jurist, der 1992 als Beauftragter für soziale Integration seine Karriere im Deutschen Fußball-Bund begonnen hatte und seit 2004 an der Spitze des größten Sportfachverbands der Welt steht, unterstrich: «Dieser Preis ist eine Mahnung an den Fußball, nicht und niemals tatenlos zuzuschauen, wenn auf irgendeinem Bolzplatz, in irgendeinem Stadion oder irgendeinem Vereinsheim die Toleranz mit Füßen getreten wird.»
Mit deutlichen Worten richtete sich der DFB-Präsident gegen rechtsradikale Tendenzen im Sport und betonte die Rolle des Verbandes nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb des Fußballplatzes. «Wir dürfen niemanden den rechten Rattenfängern überlassen, wir dürfen extremistisches Gedankengut nicht tolerieren.» Zentralrats- Präsidentin Knobloch lobte den Preisträger, der stets dafür gesorgt habe, «dass braunes Gedankengut im Sport keine Chance hat».
Zwanziger erinnerte an den Besuch in Israel anlässlich der 60- Jahr-Feier des Staates Israel vor etwa einem Jahr. Die U18- Nationalmannschaft begleitete eine DFB-Delegation damals. Zwanziger will Jugendmannschaften in Zukunft jährlich zu Turnieren nach Israel schicken. «Die Reisen nach Israel machen vielleicht nicht aus jedem Talent einen besseren Fußballer, aber vielleicht aus einigen Teenagern bessere Menschen.»