Erfolgreiches Schalke in schweren Zeiten
Gelsenkirchen (dpa) - 26.10.2009, 12:31 Uhr
Schalkes Trainer Felix Magath beim HSV-Gastspiel.
Gelsenkirchen (dpa) - Wenig Kohle, viel Moral - trotz anhaltender Schlagzeilen über bedenkliche Finanzprobleme macht der FC Schalke 04 in sportlicher Hinsicht beachtliche Fortschritte. Noch Minuten nach dem Abpfiff ließen sich die Profis von den Fans für die turbulente Aufholjagd beim 3:3 (0:2) im atemberaubenden Bundesliga-Gipfel gegen den Hamburger SV feiern. Die Freude an dem Fußballfest drängte das leidige Dauerthema der letzten Tage zumindest für kurze Zeit in den Hintergrund. Nur Frank Rost trübte die gute Stimmung. «Die Ansprüche der Schalker sind ganz schön gesunken. Die feiern ein Unentschieden gegen zehn Mann wie einen Sieg. Dabei haben sie doch einen der teuersten Kader in der Bundesliga», spottete der HSV-Keeper. Den verbalen Seitenhieb des Ende 2006 im Unfrieden geschiedenen ehemaligen Schalkers Rost quittierte Felix Magath mit einem müden Lächeln. Nicht anders reagierte der Trainer auf die vielen Nachfragen nach dem Wahrheitsgehalt der jüngsten Medienberichte, wonach der Bundesliga-Vierte neben den bereits eingeräumten 137 Millionen Euro Verbindlichkeiten weitere 100 Millionen Euro Schulden angehäuft haben soll. «Das ist ein alter Hut. Nichts, was im Verborgenen lag», entgegnete er, vermied aber eine Angabe über die tatsächliche Höhe des Schuldenberges: «Ich bin kein Finanzfachmann und werde jetzt einen Teufel tun und nun jede Bilanz kommentieren.»
Ungleich leichter fiel Magath das Reden über den sportlichen Status quo. Schließlich liegt sein Team weiter in Lauerstellung - nur zwei Punkte hinter dem Führungsduo aus Leverkusen und Hamburg. Weder ein Zwei-Tore-Rückstand zur Halbzeit noch das ernüchternde 3:2 der nach dem Platzverweis von David Rozehnal (61.) in Unterzahl agierenden Hamburger warf die Schalker aus der Bahn. In beeindruckender Manier stemmten sie sich gegen die drohende Niederlage. Gleichwohl sprach Magath seinem Team die Titelreife ab. «Heute hat sich bestätigt, dass wir keine Spitzenmannschaft sind, der HSV es aber ist.» Magaths Lob für den Gegner war nachvollziehbar. Die durch Personalnöte und den Kraftakt in der Europa League drei Tage zuvor in Glasgow gehandicapten Hamburger traten vor allem in der ersten Halbzeit im Stile eines Meisterschaftsfavoriten auf. Nur die Abschlussschwäche von Jonathan Pitroipa kurz nach Wiederanpfiff verhinderte das vorentscheidende 3:0. Mit der Punkteteilung konnten die Gäste deshalb schlechter leben als die Schalker. «Für die Fans war es ein Riesen-Fußballfest, für uns war es enttäuschend», befand Nationalspieler Piotr Trochowski. |