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Bundesligafinale: Alles eine Frage der Nerven

Frankfurt/Main (dpa) - 19.05.2009, 13:08 Uhr

Uli Hoeneß sitzt beim Spiel der Bayern in Hoffenheim auf der Bank.
Uli Hoeneß sitzt beim Spiel der Bayern in Hoffenheim auf der Bank.

Titelkrimi, Abstiegsdrama - im Endspurt der Fußball-Bundesliga ist alles eine Sache der Nerven. Wer behält die Ruhe, lässt sich nicht von außen verrückt machen?

Die Schlussphase einer Saison ist auch für Psychologen die spannendste Zeit des Jahres. Doch Einfluss nehmen dürfen sie in der letzten Woche so gut wie keinen. «Wir machen keine besonderen Dinge, lassen alles so normal wie möglich ablaufen», sagte Wolfsburgs Trainer Felix Magath, der mit seinem Team das Meisterstück perfekt machen kann.

Zwei Punkte Vorsprung, das bessere Torverhältnis. Alles spricht für die «Wölfe». «Der Druck ist freilich enorm», meinte der mehrfache Meistercoach Ottmar Hitzfeld. Schließlich hat der VfL jede Menge zu verspielen. Für den langjährigen Bayern-Trainer ist die Sache deshalb noch nicht in trockenen Tüchern, auch wenn er «zu 95 Prozent» auf die Niedersachsen als Champion setzt. Nach dem famosen 5:0-Sieg in Hannover hat die Konkurrenz praktisch aufgegeben. «Wolfsburg wird es schaffen, das lassen sie sich nicht mehr nehmen», meinte Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Doch hinter den Lobeshymnen und der vermeintlichen Kapitulation im Titelkampf steckt auch Taktik. Die Wolfsburger sollen sich in Sicherheit wiegen, dadurch nachlässig und leichtsinnig werden - alles eine Frage der Psychologie. Auch Magath sieht diese Gefahr. «Man muss jetzt daran arbeiten, dass man die Spieler auf dem Boden hält», sagte der 55-Jährige. Wer sich beim designierten Meister darum kümmert? Keiner außer Magath selbst. Der Trainer der Saison hat zwar einen gefürchteten Konditionstrainer, einen Psychologen braucht er auf dem Weg zum großen Triumph aber nicht. Stärke zeigen heißt das Motto, und sei es im Bayerischen Fernsehen auf dem Münchner Rathaus-Balkon.

Auch beim fast entthronten FC Bayern München müssen die Spieler vor dem Endspiel um den zweiten Champions-League-Platz gegen den VfB Stuttgart nicht auf die Coach. Zwar engagierte der Rekordmeister vor der Saison mit Philipp Laux einen Psychologen, in den letzten Tagen vor dem Saisonfinale setzen sie aber auf keine besonderen Aktionen. «In der letzten Woche kann man nicht verrückte Dinge tun. Da muss man die letzten Kräfte wecken», sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß, der gegen die Schwaben gleichwohl ein «Nervenspiel» erwartet.


Das weiß auch Stuttgarts Torwart Jens Lehmann, weshalb der Ex- Nationalkeeper zuletzt auffallend häufig die angebliche Bevorzugung der Bayern durch die Schiedsrichter erwähnte. Eine Teilerfolg konnte Lehmann mit diesen Psychospielchen bereits verbuchen - Rummenigge platzte der Kragen. Ein Zeichen dafür, dass die Nerven angespannt sind - auch an der Säbener Straße.

Zur Kopfsache wird auch die Entscheidung im Abstiegskampf. Gladbachs Trainer Hans Meyer hat seinen Spielern nach dem 0:5-Debakel von Leverkusen vorsichtshalber schon einmal das Studium der Zeitungen verboten, ansonsten geben sie sich am Niederrhein gelassen. Business as usual heißt es im Borussia-Park und auch bei allen Konkurrenten im Tabellenkeller.

Karlsruhes Trainer Edmund Becker ist eh kein Anhänger von psychologischen Sondermaßnahmen. «Es wird keine besonderen Dinge geben, damit sind wir vor dem Bremen-Spiel gut gefahren», sagte der Coach des Tabellenletzten. Nur in Bielefeld hat man vor dem Showdown gegen Hannover noch einmal alles versucht und Trainer Michael Frontzeck den Laufpass gegeben. Der neue Coach Jörg Berger soll die Köpfe der Arminen-Profis freimachen - eben doch alles eine Frage der Psychologie.

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