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Norwegen-Test als Personal-Puzzle für Löw

Düsseldorf (dpa) - 08.02.2009, 16:48 Uhr

Bundestrainer Joachim Löw erwartet von den Nationalspielern volle Leistungsstärke.
Bundestrainer Joachim Löw erwartet von den Nationalspielern volle Leistungsstärke.

Für Joachim Löw wird gleich das erste Fußball-Länderspiel des Jahres zu einem kniffligen Personal-Puzzle. Dabei werden vom Bundestrainer schon deutliche Signale für seine Pläne 2009 erwartet

Alle Querelen aus dem Vorjahr um die Rückkehrer Michael Ballack und Torsten Frings sind Geschichte. Der DFB-Kapitän richtete alle Aufmerksamkeit auf die neuen sportlichen Aufgaben: «Ich war jetzt länger nicht dabei und bin froh, dass ich wieder da bin. Jeder Spieler kann beweisen, das er dabei sein will», erklärte Ballack beim Treffpunkt des DFB-Kaders in Düsseldorf.

Volle Konzentration auf die neue Runde lautet auch das Motto von Löw, und der DFB-Chefcoach bastelt vor dem ersten Testlauf gegen Norwegen am 11. Februar eifrig an seinem Team. Wer stürmt in Abwesenheit des diesmal aussortierten Lukas Podolski im Angriff? Welcher Torwart darf sich im Kampf um Platz 1 als erster beweisen? Bekommt Rebell und Rückkehrer Torsten Frings wieder eine Chance in der Startformation? «Das ist eine wichtige Standortbestimmung für uns», betonte Ballack.

«Wir wollen gleich den Fokus ausrichten auf die Aufgaben, die auf uns zukommen. Wir wollen uns einstimmen auf die WM-Qualifikation und die Ziele, die vor uns liegen», sagte Löw, ehe er seine Akteure im inzwischen inoffiziellen Stammquartier des DFB-Teams, dem Hilton Hotel in Düsseldorf, begrüßte. Die Bremer und Stuttgarter Spieler sowie Neuling Andreas Beck (Hoffenheim) waren bereits nach ihren Bundesliga-Begegnungen ebenso wie Löw, Assistent Hansi Flick und Bundestorwarttrainer Andreas Köpke am Vortag im Mannschaftshotel eingetroffen. Einen Tag später folgten die anderen Eingeladenen um England-Legionär Ballack. Die Münchner Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose mussten mit dem FC Bayern noch in der Liga gegen Borussia Dortmund ran.

In nur zwei Trainingseinheiten muss Löw schnell ausloten, wer sich beim Schaulaufen gegen die Skandinavier für den nächsten Ernstfall auf dem angestrebten Weg Richtung Südafrika 2010 präsentierten darf. «Wir haben nicht viel Zeit. Das ist ein wichtige Testlauf, den wir nutzen wollen. Norwegen wird ähnlich defensiv agieren wie Liechtenstein und Wales», sagte Löw.


Dem Coach bieten sich Alternativen in allen Mannschaftsteilen. Für den Sturm-Platz neben Miroslav Klose brachte sich Stuttgarts Mario Gomez am Wochenende mit seinem Tore-Doppelpack im direkten Duell mit seinen Leverkusener Konkurrenten Patrick Helmes und Stefan Kießling nachdrücklich in Erinnerung. «Mario hatte einen kleinen Durchhänger. Jetzt ist ein neues Jahr und wir hoffen, dass er zu alter Stärke findet», sagte Löw-Assistent Hansi Flick.

Torwart René Adler dürfte sich über den Gomez-Aufschwung wenig gefreut haben. Der Leverkusener Schlussmann zeigte beim 2:4 bisher ungewohnte Schwächen («Das war ein gebrauchter Tag») und wirkt in Abwesenheit des noch nicht wieder berücksichtigten Robert Enke nicht mehr als automatische Nummer 1. Gut möglich, dass Löw wie schon im letzten Spiel 2008 gegen England (1:2) wieder auf ein Torwart-Splitting mit dem Bremer Tim Wiese setzt.

In der Defensive steht der 21-jährige Beck vor seinem Debüt im DFB-Dress. Besonders nach der Absage von Arne Friedrich, der sich mit Rückenproblemen plagt, ist der Blondschopf für die rechte Abwehrseite die ernsthafte Alternative. «Er hat eine gute Entwicklung in Hoffenheim gemacht, daher wollen wir ihn in der Nationalmannschaft auf der rechten Seite testen», sagte Löw über den Aufsteiger.

Neben Beck bewirbt sich Mesut Özil intensiv darum, der 23. Länderspiel-Neuling unter Löw zu werden. Und ein Einsatz des Bremers mit türkischen Wurzeln scheint auch aus «politischen Gründen» wahrscheinlich. Denn Özils Mitwirken in Düsseldorf würde den 20-Jährigen definitiv an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) binden. Löw wird Özil trotz des designierten Debüts im A-Team auf jeden Fall für die Junioren-EM abstellen. «Dieses Turnier genießt bei uns eine höhere Priorität als die Asienreise der Nationalmannschaft im Sommer. Özil wird auf jeden Fall die U-21-EM spielen», sagte Löw.

Ob Routinier Frings gegen Norwegen sofort wieder zum Einsatz kommt, ist eine der spannendsten Fragen. Während Kapitän Ballack trotz der Kritik an Löw nach der EM in Düsseldorf für seinen 90. Länderspiel-Einsatz in die Startelf zurückkehren wird, ist die Rolle des öffentlich handzahm gewordenen Rebellen Frings noch ungeklärt. «Er ist körperlich wieder in einer viel besseren Verfassung», sagte Löw über seinen Kritiker. Nur um des lieben Team-Friedens Willen wird Löw den 79-maligen Nationalspieler nicht in die erste Elf stellen. Dafür bieten sich dem Bundestrainer weiterhin zu viele Alternativen.

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