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Sportreporter Rudi Michel ist tot

Frankfurt (dpa) - 30.12.2008, 15:04 Uhr

Rudi Michel ist im Alter von 87 Jahren gestorben.
Rudi Michel ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Der deutsche Fußball trauert um Reporter-Legende Rudi Michel. Der Sportjournalist, der für die ARD fünf WM-Endspiele live kommentierte, ist am 29. Dezember im Alter von 87 Jahren gestorben, teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit.

«Rudi Michel war ein herausragender Journalist, darüber hinaus aber auch ein glänzender Botschafter des deutschen Fußballs», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger auf der DFB-Internetseite. Durch seine Reportagen und Bücher, die er speziell über die 54er WM- Mannschaft von Sepp Herberger verfasst hat, bleibe er unvergessen.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) würdigte den in Baden-Baden gestorbenen Michel als außergewöhnlichen Sportreporter, der «uns die bewegendsten Momente» des Fußballs «in kompetenter Weise und in klaren Worten» geschildert habe.

Von 1958 bis 1982 kommentierte Michel - mit Ausnahme der Finals 1970 in Mexiko und 1978 in Argentinien - alle WM-Endspiele im deutschen Fernsehen. Berühmt wurde seine Schilderung von Geoff Hursts Wembley-Tor 1966 - für den Pfälzer die «schwierigste Minute in meiner Reporterlaufbahn». Durch Reportagen wie diese sei Michel «schon zu Lebzeiten eine Legende geworden», meinte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Michel selbst war vor allem stolz darauf, als junger Reporter zu einem kleinen Team von Journalisten gehört zu haben, die 1954 das «Wunder von Bern» live miterlebt hatten.

«Für unsere Gesellschaft hatte diese WM einen unbeschreiblichen Stellenwert. Das geisterte damals durch alle Gazetten: Wir sind wieder wer! Die Menschen hatten dadurch ein Gemeinschaftserlebnis», sagte Michel einmal. Wie Fritz Walter ist er in Kaiserslautern geboren, und kaum ein anderer Journalist kannte den verstorbenen Kapitän der damaligen Elf so gut. «Der Fritz war mein Freund. Wir hatten einen immerwährenden Gedankenaustausch, nicht nur über Fußball», hatte Michel einst ihre Freundschaft geschildert.


Dabei bedurfte es einer glücklichen Fügung, dass der am 2. August 1921 geborene Michel die Laufbahn als Sportreporter einschlug. «Ich wäre so gerne Nachrichtenredakteur geworden, aber leider war keine Stelle frei», hatte er in einem dpa-Interview zugegeben. So schlug es ihn 1948 als Radioreporter zum damaligen Südwestfunk (SWF), dessen Sportchef er 1962 wurde. Von 1954 bis zu seiner Pensionierung 1988 war er bei allen Fußball-Weltmeisterschaften dabei. Auch die Tour de France begleitete Michel achtmal. Zudem war er ARD-Teamchef bei den Olympischen Spielen 1972 in München. «Rudi Michel war die große Persönlichkeit des deutschen Sportjournalismus», würdigte SWR- Intendant Peter Boudgoust «die Stimme des Sports in der ARD».

Seine letzte WM, die der Liebhaber klassischer Musik verfolgen konnte, war das Heim-Turnier 2006. Für Michel, der bis zu seinem Tod mit Ehefrau Ursula in Baden-Baden lebte, ein tolles Erlebnis: «Über diese WM werden wir noch in 20 oder 40 Jahren sprechen. Für mich war das eine Sensation: Der vor Jahrzehnten noch verpönte Fußball hat es geschafft, in der Welt ein positives Deutschlandbild zu entwickeln.» Nicht zuletzt dieser reichhaltige Erfahrungsschatz und seine stets um Sachlichkeit bemühten Kommentare machten ihn zum «Grandseigneur des deutschen Sportjournalismus», wie ihn die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» einmal nannte. DFB-Generalsekretär Niersbach brachte es auf den Punkt: «Rudi war und bleibt ein Vorbild.»

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