Sie sind selbstbewusst, entscheidungsfreudig und vor allem - sehr jung: Der Schiedsrichter-Nachwuchs erobert den deutschen Profi-Fußball. Als Aushängeschilder der neuen Referee-Generation schreiten die Kempter-Brüder voran.
«Je früher man Erfahrung sammelt, desto besser», meint Michael Kempter, der 2006 mit 23 Jahren in der Bundesliga debütierte. Sein 20 Jahre alter Bruder Robert ist seit dem 12. September 2008 jüngster Zweitliga-Schiri der Geschichte. «Im Stadion interessiert es kaum jemanden, wer da pfeift», sagt der jüngere, «wichtig ist, dass die Leistung stimmt.»
Noch sind die Kempters aus dem südbadischen Sauldorf Ausnahmen. Doch der Schiedsrichter-Nachwuchs steht bereits in Lauerstellung in der neu eingeführten 3. Liga. Sie ist bevorzugter «Spielplatz» der Jung-Referees und gilt als Sprungbrett für Talente. Der Altersschnitt liegt bei 28 Jahren, nur wenige sind älter als 30. «Die 3. Liga ist Teil eines Konzepts, das junge Unparteiische langsam und kontinuierlich aufbaut», sagt Volker Roth, Schiedsrichter-Boss beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). «Wer es hierhin geschafft hat, hat bewiesen, schwierige Spiele ohne Probleme über die Bühne zu bringen. Aber natürlich kann es nicht jeder in die Bundesliga schaffen.»
Der Weltverband FIFA gibt die Alters-Regeln vor: Mit 45 ist für die Schiedsrichter international Schluss, beim DFB dürfen sie zwei Jahre länger agieren. «Markus Merk hätte wohl auch bis 55 auf hohem Niveau weiterpfeifen können. Aber dann kommen die Jungen nicht zum Zug und verlieren die Lust», sagt Roth. Michael Kempter pflichtet ihm bei: «Die Nationalmannschaft besteht ja auch nicht nur aus Spielern wie Ballack und Frings.»
Nebenwirkung der forcierten Nachwuchsförderung: Die Amateurligen haben sich zu Ausbildungsklassen der Unparteiischen entwickelt, in denen mitunter 14-Jährige gestandene Fußballer disziplinieren sollen. Das birgt Zündstoff. «Wir haben keinen Jugendwahn», widerspricht Roth. «Mut ist unabdingbare Voraussetzung für einen erfolgreichen Schiedsrichter.»