Werder ohne Mumm: Nullnummer und Sturmprobleme
Bremen (dpa) - 17.09.2008, 12:57 Uhr
Auch Per Mertesacker (r) kritisiert die Bremer Torflaute.
Keine Ideen, kein Mumm, keine Tore - kein Selbstvertrauen für das Bayern-Spiel. Werder Bremen steht nach dem traditionellen Stolperstart in der Champions League unter Druck. Auch den eigenen Fans, die die blamable Nullnummer gegen Fußball-Zwerg Anorthosis Famagusta mit gellenden Pfiffen quittierten, schwant nun Böses. «Diese Sorge habe ich nicht. Wir können besser spielen. So geht das nicht», sagte der enttäuschte Geschäftsführer Klaus Allofs. Und Kapitän Torsten Frings schimpfte: «Ich habe den nötigen Killerinstikt vermisst!» Für den erfolglosen Einbahnstraßen-Fußball gegen die biederen Insel-Kicker verteilte der Werder-Manager die Schulnote 5. «Zu brav, zu harmlos. Für mich war das nicht ausreichend. Da brauchen wir in Athen oder in Mailand erst gar nicht antreten», kritisierte Allofs mit Blick auf die anderen Gruppengegner. Am 1. Oktober spielen die Hanseaten beim Favoriten Inter Mailand, der standesgemäß mit einem 2:0 bei Panathinaikos Athen startete. «Viel passiert ist nicht. Wir haben es aber versäumt, uns ein gute Ausgangsposition zu verschaffen», beurteilte Allofs den fünften vergeblichen Anlauf in Serie, mit einem Sieg in die Champions League zu starten.
Frings riss nach dem Geduldsspiel, bei dem vor allem der schwache Stürmer Claudio Pizarro gute Chancen ausließ, der Geduldsfaden. «Da muss man einen reinmachen», klagte der Mittelfeldmann. «Im Abschluss hat uns ein Schuss Qualität gefehlt», stimmte ihm Innenverteidiger Per Mertesacker zu. «Da muss man aggressiver sein und auch das Tor erzwingen wollen. Das haben wir nicht getan», kritisierte Trainer Thomas Schaaf die Einstellung seiner Profis, denen anders als beim 3:0 gegen Cottbus auch im Endspurt kein Tor gegen die engmaschig verteidigenden Zyprer gelang. Schaaf wechselte Pizarro und Markus Rosenberg aus, das neue Sturm-Duo Boubacar Sanogo/Hugo Almeida empfahl sich aber auch nicht für die Startelf. Weder Diego, Daniel Jensen oder Mesut Özil im Mittelfeld noch die Außenverteidiger Clemens Fritz und Sebastian Boenisch, deren Flanken zu oft beim Gegner landeten, konnten richtig Druck auf die Anorthosis-Abwehr und den unsicheren Keeper Arian Beqaj entwickeln. «So viel musste er nicht halten, dass man sagen kann, er sei ein schlechter Torhüter», urteilte Allofs. «Wir haben jetzt nicht alles verlernt und werden an unserer Aufgabe wachsen. In zwei Wochen in Mailand wird sich zeigen, ob diese Mannschaft weiterkommen kann. Wer weiß, wofür dieser Punkt noch gut ist», erklärte Mertesacker. In den vergangenen vier Jahren war Werder mit Niederlagen gegen Real Madrid, FC Chelsea, FC Barcelona und Inter Mailand in die Champions League gestartet. In diese Katagorie gehört Debütant Famagusta mit Sicherheit nicht. Auch wenn Trainer Temuri Ketsbaia mit Recht stolz auf sein Team war: «Wir wollen die Gruppenphase zwar genießen, aber nicht nur Party machen.»
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