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Kompany beugt sich dem Druck des HSV

Peking (dpa) - 12.08.2008, 10:05 Uhr

Kompany (r) kann zum Bundesliga-Auftakt gegen Bayerns Lahm (l) antreten.
Kompany (r) kann zum Bundesliga-Auftakt gegen Bayerns Lahm (l) antreten.

Der belgische Nationalspieler Vincent Kompany vom Hamburger SV ist als erster Fußball-Profi auf Druck seines Vereins vorzeitig aus dem olympischen Turnier ausgestiegen.

Der Abwehrspieler beugte sich der Forderung seines Arbeitgebers, der den 22-Jährigen sofort zurückbeordert hatte, um ihn wegen seiner Personalnot beim Bundesliga-Start beim deutschen Meister FC Bayern München zur Verfügung zu haben. Belgiens Teamsprecher Nicolas Cornu bestätigte in Shanghai, wo die Olympia-Auswahl Belgiens im letzten Gruppenspiel gegen Neuseeland um den Einzug ins Viertelfinale spielt, dass Kompany im Laufe des Tages nach Deutschland zurückreisen werde. «Er kehrt heute zurück», sagte Cornu: «Der Druck auf den Verband und den Spieler war zu groß.»

Derweil droht Im Olympia-Abstellungszwist zwischen den Bundesligaclubs, dem Fußball-Weltverband FIFA und den nationalen Verbänden endgültig die juristische Eskalation. Nachdem die von der unrechtmäßigen Olympia-Teilnahme ihrer Profis betroffenen Vereine auch am 11. August keine Reaktionen oder positiven Signale der betroffenen Fußball-Verbände erhalten hatten, leiteten sie die nächsten Schritte ein. Der FC Schalke 04 klagt wegen Rafinha bei der FIFA gegen den brasilianischen Fußball-Verband (CBF). Hertha BSC besteht auf einer sofortigen Rückkehr des Serben Gojko Kacar und droht mit einer Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS. Werder Bremen verzichtet wegen Diego auf weitere Schritte, behält sich aber eine spätere Klage vor.

Schalke hat nach dem Gezerre dagegen die Nase voll und reichte Klage bei der FIFA ein. «Es handelt sich um eine Unterlassungsklage, durch die die Brasilianer verpflichtet werden sollen, Rafinha nicht mehr bei Olympia einzusetzen», erklärte Schalke-Manager Andreas Müller. «Wir haben eigentlich gehofft, dass wir diese unselige Geschichte ohne weitere Klagen zu Ende bringen können. Leider gibt uns die CBF durch ihr Verhalten keine andere Möglichkeit.» Bis zum 11. August hatte man noch keine CBF-Reaktion auf die verschiedenen Schreiben und gestellten Forderungen wie Abstellungsgebühr oder Versicherung des Profis erhalten. Rafinha bestritt gegen Neuseeland (5:0) sein zweites Spiel und steht mit der «Selecao» im Viertelfinale.

Werder-Manager Klaus Allofs entschied sich zunächst gegen ein gleiches Vorgehen wie Schalke, will weitere Schritte aber nicht ausschließen. «Wir schließen uns der Klage nicht an. Es kann sein, dass wir das zu einem späteren Zeitpunkt tun werden», sagte Allofs der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Uns lag in erster Linie die Versicherungsfrage am Herzen, die bei einer möglichen Verletzung von Diego entsteht. Diese Frage ist für uns durch Vermittlung des Deutschen Fußball-Bundes geklärt», sagte Allofs. Nähere Angaben wollte er dazu nicht machen.


Die übrigen Clubs zeigten sich davon jedoch unbeirrt. Wenn die FIFA die Brasilianer nicht zum Einlenken bewegt, geht es in die nächste Runde. «Dann gehen wir wieder vor den CAS. Wir stehen in dieser Sache wie eine Eins. So kann man nicht mit uns umgehen», betonte Müller, der zudem «Schadensersatzforderungen gegen sämtliche Beteiligten» erwägt. Der CBF reagierte nach eigener Darstellung «irritiert» über das Vorgehen des Clubs. «Von Schalke hat der CBF überhaupt nichts erhalten», erklärte der CBF-Pressesprecher Rodrigo Paiva. Im Gegensatz zur Darstellung Schalkes sei es Rafinha «vom Verein erlaubt, hier zu sein und deshalb hat er ja auch schon gespielt.»

Die Clubs haben jedoch die Möglichkeit zur Forderung nach Schadensersatz, seit Schalke gemeinsam mit Werder und dem FC Barcelona vor dem CAS gegen die FIFA im Streit um die Olympia-Abstellungspflicht in der vergangenen Woche gewonnen hatte. Der CAS hatte entschieden, dass die Vereine auch Spieler unter 23 Jahren nicht für Olympia freigeben müssen. Dies sei in den FIFA-Statuten nicht verankert, und ein Gewohnheitsrecht lasse sich nicht ableiten, zumal das olympische Turnier kein Bestandteil des internationalen Fußball-Terminkalenders ist.

Das werde auch so bleiben, betonte FIFA-Chef Joseph Blatter in einem dpa-Interview. Immerhin macht sich die FIFA und das Internationale Olympischen Komitee (IOC) Gedanken um die Zukunft des olympischen Männer-Fußballs. «Meiner Ansicht nach sollten wir das Turnier bei der heutigen Qualität der U-23-Spieler als U-23-Turnier belassen, die Abstellung dann aber zur Pflicht machen und das Gewohnheitsrecht durch einen Entschluss ersetzen», schlug Blatter vor. Auf dem nächsten FIFA-Kongress 2009 soll es Entscheidungen geben.

«Wenn Kacar jetzt nicht auf den Weg geschickt wird, werden wir klagen», sagte Hertha-Manager Dieter Hoeneß der dpa. Der Profi selbst will nach Berlin zurückkehren, nachdem der Serbische Fußball-Verband die Hertha-Bedingungen für seinen Olympia-Einsatz nicht erfüllte. Ein weiterer Einsatz des 21-Jährigen im letzten Gruppenspiel gegen Argentinien komme nicht infrage, so Hoeneß. «Es gibt keinen Grund, ein Risiko einzugehen und den Spieler nur eine Sekunde länger dort zu lassen.» Kacar würde sofort aus China abreisen. «Wenn das stimmt, komme ich sofort zurück nach Berlin. Ich bin Profi und werde das tun, was mein Verein will», sagte er der «Bild»-Zeitung.

Bis zuletzt hatte sich Kompany der HSV-Forderung widersetzen wollen. Er wollte vor einer vorzeitigen Olympia-Abreise unbedingt noch gegen Neuseeland mitspielen und erst einen Tag vor dem Bundesligastart nach Deutschland zurückkehren. «Was soll ich in Hamburg, wenn ich in München nur auf der Bank sitze?», hatte er erklärt. Der HSV pochte daraufhin beim belgischen Fußball-Verband mit der Androhung weiterer juristischer Schritte auf eine zuvor getroffene Abmachung, wonach die Hanseaten den Spieler nach zwei Olympia-Partien zurückbeordern konnten.

Der Defensivspieler hatte im ersten Turnierspiel gegen Brasilien (0:1) die Gelb-Rote Karte gesehen und musste in der Partie gegen China (2:0) pausieren. Somit kam er nur zu einem Olympia-Einsatz. «Hamburg hat den Verband unter Druck gesetzt, weil es eine zuvor getroffene Abmachung gab. Dem Verband blieb nichts anderes übrig, als den Spieler nach Deutschland zu schicken», erklärte Cornu.

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