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Portugal im Viertelfinale - Schweiz ausgeschieden

Genf (dpa) - 11.06.2008, 23:31 Uhr

Der Schweizer Eren Derdiyok sinkt nach dem unglücklichen Ausscheiden zu Boden.
Der Schweizer Eren Derdiyok sinkt nach dem unglücklichen Ausscheiden zu Boden.

Portugal hat als erste Mannschaft das Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft erreicht, während der Mit-Gastgeber Schweiz bereits nach dem zweiten Gruppenspiel ausgeschieden ist.

Das Team von Trainer Luiz Felipe Scolari besiegte in Genf Tschechien mit 3:1 (1:1) und führt die Tabelle der Gruppe A uneinholbar mit 6 Zählern an. Dahinter machen die Türkei und Tschechien (beide 3) den zweiten Viertelfinalisten unter sich aus. Die Schweiz (0) ist dagegen nach der 1:2 (1:0)-Niederlage gegen die Türkei frühzeitig gescheitert.

Die Superstars Deco und Cristiano Ronaldo haben Portugals Zauber-Fußballer mit ihren Treffern in der 8. und 63. Minute den Erfolg über Tschechien geebnet. Joker Ricardo Quaresma (90.+1) setzte den Schlusspunkt. Die Tschechen (3) müssen um den Sprung unter die besten Acht bangen. Libor Sionkos Tor (17.) war zu wenig, um die erste Länderspiel-Niederlage gegen die Portugiesen seit dem 14. Oktober 1984 zu verhindern.

«Portugal kann weiter vom EM-Titel träumen», schwärmte die portugiesische Fußball-Legende Eusebio nach dem Sieg. Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari stellte erfreut fest: «Wir sind jetzt um einiges relaxter, wir sind unter den besten Acht von Europa, aber natürlich wollen wir mehr.» Für Ronaldo ist seine Mannschaft zwar noch kein EM-Favorit, «aber wir haben eine Truppe mit einem tollen Teamgeist. Und wir können auch mit den guten Teams mithalten.» Und der Stuttgarter Bundesliga-Profi Fernando Meira betonte: «Jetzt wollen wir unbedingt Gruppensieger werden.» Tschechiens Abwehrchef Tomas Ujfalusi erwartet, dass sein Team trotz des Rückschlags am Sonntag gegen die Türkei das angepeilte Viertelfinale erreichen wird. «Wir haben die Kraft und wissen, dass wir es im letzten Spiel schaffen können.»

Vor dem Aufeinandertreffen der beiden Sieger der Auftaktpartien hatte Tschechen-Coach Karel Brückner zwei Überraschungen parat: Die Bundesliga-Profis Jan Koller und David Jarolim fanden sich zum Anpfiff bei den Reservisten wieder. Während für den HSV-Spieler Jarolim diesmal Marek Matejovsky zum Zuge kam, verdrängte der EM-Toptorjäger von 2004, Milan Baros, den beim 1:0 gegen die Schweiz blass geblieben Koller. Dagegen sah Brückners Kollege Scolari nach dem glanzvollen 2:0 über die Türkei keinen Anlass für Umstellungen.


In der «Wasserschlacht» von Basel besiegelte Arda Turan den EM-K.o. der Schweiz. Die Türken haben im «Endspiel» gegen die Tschechen die Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale. Mit seinem Tor in der dritten Minute der Nachspielzeit machte der Angreifer von Galatasaray den Erfolg der Türken perfekt. Bei zeitweise sintflutartigem Regen hatten die Eidgenossen vor 40 000 Zuschauern im ausverkauften St. Jakob-Park durch einen Treffer von Hakan Yakin (32.) geführt. Dem eingewechselten Semih (57.) gelang der Ausgleich für die Türken, durch deren Erfolg Portugal vorzeitig als Viertelfinalist feststeht.

Bei Platzverhältnissen, die Erinnerungen an das im April abgebrochene Bundesliga-Spiel 1. FC Nürnberg - VfL Wolfsburg weckten, waren im Duell der EM-Fehlstarter vor allem kämpferische Qualitäten gefragt. Die warfen die Schweizer mit Erfolg in die Waagschale, wenngleich beim Führungstor auch viel Glück im Spiel war. Nach einer Hereingabe des knapp 20-Jährigen Eren Derdiyok, der anstelle des an der Leiste verletzten Marco Streller in die Startelf gerückt war, blieb der Ball vor der Torlinie in einer Pfütze liegen. Yakin hatte in seinem 68. Länderspiel keine Mühe zu vollenden.

Der Schweizer Trainer Jakob Kuhn nahm seine Mannschaft in Schutz: «Es ist eine sehr, sehr große Enttäuschung. Wir hatten nach dem Ausgleich die Chance zum 2:1. Wir haben sie nicht genutzt. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat alles gegeben. Wir waren nicht gerade vom Glück begünstigt. Für die Mannschaft gibt es keinen Tadel. Wir werden das Turnier mit Anstand gegen Portugal nach Hause bringen. Das ist Fußball. Die Schweiz wird bestehen bleiben, trotz des Ausscheidens der Nationalmannschaft.» Sein türkischer Kollege Fatih Terim führte den Sieg dagegen auf den Wetterumschwung nach der Halbzeit zurück: «In der Pause habe ich schon ein bisschen gebetet, dass der Regen aufhören würde. Ich dachte zwar vor dem Spiel, dass uns ein bisschen Regen helfen könnte, doch dass wir bis auf die Haut durchnässt werden würden, war nicht zu erwarten. Wir mussten unsere Taktik den neuen Verhältnissen anpassen.»

Zweieinhalb Jahre nach der «Schande von Istanbul» waren die Fans beider Seiten um ein friedliches Miteinander bemüht. «Schweiz-Türkei - Fußball verbindet» war auf einem großen Transparent zu lesen. Am 16. November 2005 waren die Türken nicht so freundlich mit den Eidgenossen umgegangen. Nach dem 4:2 im WM-Qualifikationsspiel hatten sich hässliche Prügelszenen in den Katakomben des Sükrü Saracoglu Stadions abgespielt, wobei vor allem Schweizer die Opfer waren.

In die Rubrik denkwürdig gehörte auch die Neuauflage. Ein heftiger Platzregen machte einen kontrollierten Spielaufbau nahezu unmöglich. Der mit Pfützen übersäte Rasen öffnete dem Zufall Tür und Tor. In der 19. Minute versuchte Gökhan Inler sein Glück mit einem Schuss aus 30 Metern und stellte den türkischen Keeper Volkan damit vor Probleme. Danach demonstrierte der Schlussmann von Fenerbahce Istanbul aber gleich zweimal seine Klasse. Zunächst parierte er einen Schuss von Yakin aus spitzem Winkel (23.), dann drehte er einen gefährlichen Freistoß des Leverkuseners Tranquillo Barnetta reaktionsschnell um den Pfosten (25.). Zwei Minuten nach seinem 1:0 verpasste Yakin nach Flanke von Valon Behrami freistehend die mögliche Vorentscheidung.

Vier Tage nach der Start-Niederlage gegen Portugal steckten die Türken den Ausfall ihres an der Wade verletzten Kapitäns Emre Belözoglu gut weg und kämpften sich nach der Pause in die Partie zurück. Mit der Einwechslung von Semih als zweite Spitze neben Nihat bewies Trainer Fatih Terim zudem eine glückliche Hand. Als der Stuttgarter Bundesliga-Profi Ludovic Magnin zwölf Minuten nach Wiederbeginn bei einer Nihat-Flanke nicht energisch genug eingriff, stieg Semih hoch und überwand Diego Benaglio im Schweizer Tor per Kopf. Danach sahen die Fans einen offenen Schlagabtausch, in dem die Türken die besseren Chancen auf den Sieg besaßen. In der 73. verfehlte Nihat das 2:1 nur denkbar knapp, auf der Gegenseite vereitelte Volkan gegen Yakin (84.) den ersten EM-Erfolg der Eidgenossen.

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