Die erste Szene gehörte nicht van Nistelrooy, sondern Toni: Der Bayern-Profi konnte sich in der 12. Minute nach einer Flanke von Gennaro Gattuso absetzen - sein Kopfball ging allerdings deutlich am Tor vorbei. Im Duell der beiden 31-Jährigen Stürmerstars stand dann aber van Nistelrooy im Blickpunkt: In der 18. Minute hatte er nur noch Gianluigi Buffon vor sich. Der herausstürmende Torhüter brachte den Torjäger ins Straucheln, aber er fiel nicht - und Schiedsrichter Peter Fröjdfeldt aus Schweden pfiff auch keinen Elfmeter. Nach 41 Treffern in den beiden vergangenen Jahren in der spanischen Primera Division war «van Nistelgols» Torhunger noch lange nicht gestillt. Nach einem Schuss von Sneijder konnte der Niederländer ungehindert zur Führung einschießen. Die Italiener protestierten heftig, doch der hinter der Torauslinie liegende Christian Panucci hatte das Abseits aufgehoben. Nur fünf Minuten später zelebrierte «Oranje» Traumfußball: Ein glänzender Angriff über den wild entschlossenen Giovanni van Bronckhort und Dirk Kuyt, der für den verletzten Real-Profi Arjen Robben spielte, vollendete Sneijder zum 2:0. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Italiener bereits so viele Gegentore bekommen wie während der gesamten WM 2006 in Deutschland. Zwei Minuten vor dem Wechsel hätte van Nistelrooy alles klar machen können, doch er scheiterte an Buffon. Gegen die weiterhin überlegenen Niederländer fehlte dem EM-Favoriten eindeutig der Chef. Auch der eingewechselte Alessandro del Piero, Torschützenkönig der Serie A, konnte die Wende beim vierfachen Weltmeister nicht einleiten. Toni mit einem Heber aus aussichtsreicher Position, aber weit über das Tor, sowie Fabio Grosso und del Piero vergaben in der Schlussphase gegen den hervorragenden Edwin van der Sar noch vielversprechende Chancen, ehe van Bronckhorst für die Entscheidung sorgte. Auch Vize-Weltmeister Frankreich hatte zuvor einen Fehlstart hingelegt: Ausgerechnet Außenseiter Rumänien erschwerte der von den eigenen Fans ausgepfiffenen «Équipe tricolore» mit einem trostlosen 0:0 das Überleben in der «Todesgruppe». Der völlig enttäuschende zweimalige Europameister blieb vor 30 585 Zuschauern im ausverkauften Letzigrund Stadion in Zürich gegen erwartet defensiv- destruktiv zu Werke gehende Osteuropäer in der ersten torlosen Partie der EM den Favoriten-Nachweis auf ganzer Linie schuldig. «Frankreich spielt nicht mehr auf dem Level, den viele Leute vielleicht noch gewohnt sind», meinte Rumänen-Trainer Victor Piturca. «Wir waren nervös, wir konnten uns nicht völlig entfalten, so ist es oft im ersten Match. In der Situation, in der wir jetzt sind, wird jede Partie ein Knock-Out-Match», sagte Kollege Raymond Domenech bereits mit Blick auf die Partie gegen die Niederlande. Zum voraussichtlichen Endspiel um den Viertelfinaleinzug kommt es in der Gruppe C am 17. Juni gegen Weltmeister Italien in der Neuauflage des WM-Finals. Domenech: «Wir haben noch zwei Spiele vor uns, sechs Punkte sind noch möglich. Ich bin weder pessimistisch noch optimistisch.»
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