Pal Csernai: Der Mann mit dem Seidenschal wird 75
Stuttgart (dpa) - 21.10.2007, 09:09 Uhr
Pal Csernai (r) feiert mit Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge (l) die Meisterschaft.
Nicht nur sein Fußballsystem, auch sein Markenzeichen hat Nachahmer gefunden. Der ungarische Trainer Pal Csernai trat zwischen 1978 und 1991 stets mit einem Seidenschal auf der Bundesligabühne auf. Sportlich elegant - wie Bundestrainer Joachim Löw, der mit seinem Schal zuletzt beim entscheidenden Europameisterschaftsqualifikationsspiel in Irland für modischen Gesprächsstoff sorgte. «Der gehörte halt bei mir dazu. Das war nicht meine Erfindung, nur für den Fußball war es damals etwas Außergewöhnliches», sagt Csernai heute über sein auffallendes Kleidungsstück. Am 21. Oktober feiert der Trainer-Dressmann, der insbesondere den FC Bayern München (1978 - 1983) zu Erfolgen führte, seinen 75. Geburtstag. Taktisch führte der Ungar die Raumdeckung - in Ansätzen bereits von seinem Landsmann Gyula Lorant praktiziert - in die Bundesliga ein. Zudem galt er als «Schleifer»: «Er hat es geschafft, uns so fit zu machen, dass wir nach den Spielen nie kaputt waren. Wir hatten in fünf Jahren nicht ein Mal Muskelkater», erklärt der damalige Münchner Kapitän Paul Breitner und bezeichnet Csernais Art als «ein Genuss, weil er sich wohltuend von anderen Trainern abhob».
Beim Rekordmeister stieg Csernai vom Co-zum Cheftrainer auf. «Dass nicht ein bekannter Trainer mit großem Namen die Mannschaft übernommen hat, sondern der Assistent, und ich sie aus einer schwierigen Lage zum Erfolg geführt habe, das war etwas Besonderes», erzählt der in Budapest lebende ehemalige Fußballlehrer. Zwei Mal gewann er mit den Bayern die Deutsche Meisterschaft, ein Mal den Pokal. 1982 erreichte er das Europapokalfinale der Landesmeister. Bei Borussia Dortmund (1985-1986), Eintracht Frankfurt (1988-1989) und Hertha BSC Berlin (1990-1991) agierte der Meistermacher dagegen glücklos und wurde nach kurzen Engagements entlassen. In den 80ern und 90ern trainierte Csernai zudem einige europäische Vereine wie PAOK Saloniki, Benfica Lissabon und Fenerbahçe Istanbul sowie die Nationalmannschaft Nordkoreas. |