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Forscher Klose greift im Klinsmann-Trikot an

München (dpa) - 29.06.2007, 14:53 Uhr

Jan Schlaudraff (v.l.), Hamit Altintop, Trainer Ottmar Hitzfeld, Miroslav Klose, Marcell Jansen und Josã Ernesto Sosa posieren in München.
Jan Schlaudraff (v.l.), Hamit Altintop, Trainer Ottmar Hitzfeld, Miroslav Klose, Marcell Jansen und Josã Ernesto Sosa posieren in München.

Titel, Tore und Triumphe - Miroslav Klose will nach seiner Flucht aus Bremen zum FC Bayern München im Trikot von Jürgen Klinsmann wieder Tore am Fließband schießen und endlich Trophäen erobern.

«Die Erwartungshaltung bei Bayern ist hoch, aber auch bei mir ist sie hoch. Ich will hier Titel sammeln», sagte der Fußball-Nationalspieler, mit dessen Verpflichtung der deutsche Rekordmeister pünktlich vor dem Trainingsstart die teuerste Einkaufstour seiner Vereinsgeschichte komplettiert hatte. «Klose war das i-Tüpfelchen bei den Verpflichtungen», frohlockte Trainer Ottmar Hitzfeld, der aus den für fast 70 Millionen Euro zusammengekauften Einzelkönnern ein Siegerteam formen soll.

In Abwesenheit der neuen ausländischen Top-Stars Luca Toni und Franck Ribéry, die erst nächste Woche die Arbeit aufnehmen werden, richteten sich die Blicke der über 2500 Fans in erster Linie auf Klose. Ein Medienaufgebot, das Champions-League-Dimensionen übertraf, konfrontierte den WM-Torschützenkönig gleich mit dem Druck in München, der gerade auch auf seinen Schultern lasten wird. «Sehr angenehm» sei der erste Eindruck gewesen, bemerkte Klose, der im Paradesturm mit Weltmeister Toni den Gegnern in Bundesliga und UEFA- Cup kräftig einheizen möchte. «Wenn wir gesund bleiben und fit sind, wird es nicht viele geben, die uns aufhalten können», tönte Klose schon in bester Bayern-Manier.

Das Selbstbewusstsein dokumentiert auch die Wahl der Trikotnummer. Mit der «18» - mit welcher der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Bayern 1996 in seinem ersten Jahr in München mit 15 Treffern zum UEFA-Cup-Gewinn und mit 16 Toren zur Vizemeisterschaft ballerte - will er sein Glück an der Isar suchen. «Dass Jürgen Klinsmann die Nummer getragen hat, war schon ein Grund, sie zu nehmen», bekannte Klose.

Bayern-Manager Uli Hoeneß ist ebenso wie Coach Hitzfeld froh, dass der Klose-Deal mit Werder Bremen doch noch gelang. «Er war unser zweiter Wunschspieler neben Luca Toni. Es war eine schwere Geburt.» Um den neuen «Traumsturm» (Hoeneß) perfekt zu machen, müssen die Bayern den Bremern bis zu 15 Millionen Euro zahlen. «Nach allem, was vorgefallen war, wäre es für Miro nicht gut gewesen, noch ein Jahr in Bremen zu bleiben», kommentierte Hoeneß.


Der Manager glaubt, dass ein «befreiter» Klose in München wieder zum überragenden Torjäger wird. Und der 29-jährige Klose gab sich nicht nur als Torschütze beim ersten Training angriffslustig. Angesprochen auf das Bayern-Gastspiel bei seinem Ex-Club schon am 2. Bundesliga-Spieltag, erklärte Klose forsch: «Je früher es gegen Bremen geht, umso besser. Da sind die Emotionen noch da.»

Hitzfeld dagegen hat erst einmal Probleme zu lösen. Das neue Traumteam steht vorerst nur auf dem Papier. Beim Trainingsstart waren in Klose, Hamit Altintop (Schalke 04) und dem Argentinier José Ernesto Sosa (Estudiantes de la Plata) lediglich drei der acht Neuzugänge dabei. Der erkrankte Nationalspieler Marcell Jansen (Borussia Mönchengladbach) konnte wie Jan Schlaudraff (Rücken-OP) nur für die Fotografen posieren. In die Vorbereitung startet Hitzfeld «mit einem Lazarett», das von den Jungstars Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger angeführt wird. Podolski kann nach Knie- Operation frühestens in vier Wochen ins Training einsteigen, Schweinsteiger konnte nach seiner Knie-Entzündung am Freitag auch nur beim Basketball-Spiel zum Aufwärmen mit den Kollegen üben.

Roque Santa Cruz, der in seinen acht Jahren beim FC Bayern nie über einen längeren Zeitraum die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen konnte, machte bei seinem spielfreudigen Auftritt bei der Copa América mit drei Toren beim 4:1 (1:1)-Erfolg gegen Kolumbien Eigenwerbung. Aus Sicht der Münchner hat der Offensivspieler, der noch einen Vertrag bis 2009 hat, in erster Linie seine Transferchancen verbessert. «Wir wollen Roque Santa Cruz nicht noch für vier bis sechs Wochen behalten. Das ist nicht unser Ziel», sagte Hitzfeld in München über den Angreifer, der bei den Bayern noch einen Vertrag bis 2009 hat.

«Er hat überragend gespielt. Es gibt viele Anfragen», sagte Hoeneß, der sich weniger deutlich als Hitzfeld äußerte - wohl auch, um im Ablösepoker für Santa Cruz nicht die eigene Verhandlungsposition zu schwächen. «Wir müssen abwarten. Ich habe da keine feste Meinung zu», ließ Hoeneß dem Stürmer wenigstens noch einen Funken Hoffnung auf eine Zukunft beim FC Bayern. Doch letztlich geht es wohl nur noch um den Preis. «Wenn ein gutes Angebot kommt, lassen wir ihn gehen», erklärte Hitzfeld.

«Zur Zeit haben wir nur ein Rumpfteam», stöhnte Hitzfeld vor dem Abflug zum stressigen, aber lukrativen Kurztrip nach Hongkong. In der asiatischen Metropole müssen Klose & Co. für eine Gage von 1,5 Millionen Euro bei über 30 Grad ein Spiel gegen den FC Sao Paulo bestreiten. Hitzfeld weiß, dass es für Misserfolg keine Ausreden mehr gibt. «Das wird eine der interessantesten Saisons in meinem Leben», sagte der Coach. Die 21. deutsche Meisterschaft ist für ihn Pflicht, weiß er. «Bayern München gehört an die Spitze in Deutschland», sagte Hitzfeld. Im UEFA-Cup und DFB-Pokal will er ebenfalls nach den Trophäen greifen.

Hoeneß forderte für den Anfang Geduld mit Trainer und Team. «Wir wissen, dass es am Anfang schwierig wird.» Interne Probleme fürchtet der Manager aber anscheinend mehr als die von Meister VfB Stuttgart angeführte Konkurrenz. «Unser Hauptproblem ist, dass wir nicht überheblich werden und mit dem Druck fertig werden», meinte Hoeneß.

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