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Zwanziger droht mit Spieleinstellungen im Osten

Frankfurt/Main (dpa) - 12.02.2007, 18:48 Uhr

Ein Polizeibeamter zeigt Steine, die Hooligans auf die Einsatzkräfte geworfen hatten.
Ein Polizeibeamter zeigt Steine, die Hooligans auf die Einsatzkräfte geworfen hatten.

Nach den schweren Ausschreitungen in Leipzig hat DFB-Präsident Theo Zwanziger mit der Einstellung von Teilen des Spielbetriebs gedroht.

«Wenn es uns bei allen Anstrengungen zum Schluss nicht gelingt, solche Ereignisse zu verhindern, dann darf dort kein Fußball mehr gespielt werden», sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main. Gleichzeitig appellierte er an die Verantwortlichen im Osten, für sichere Sportstätten zu sorgen. «Es müssen sichere Stadien im Osten stehen, sonst gibt es keinen Fußball.»

Bereits am 13. Februar wollen Verantwortliche des Sächsischen Verbandes und des DFB über eine Absetzung des Spieltags am kommenden Wochenende in den Ligen des Landes entscheiden. «Ich hoffe und wünsche, dass man die Kraft dazu hat, ein solches Zeichen zu setzen. Es wäre ein Zeichen der Solidarität für die Polizei», sagte Zwanziger, nachdem bei Krawallen und einer Straßenschlacht mit rund 800 Hooligans nach dem Pokalspiel zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und Erzgebirge Aue II am Samstag insgesamt 42 Menschen verletzt worden, darunter 36 Polizeibeamte. «Das sind unsere Freunde, das andere unsere Feinde. Die Gefechtslage muss klar sein», meinte Zwanziger.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung hält eine Stadionsperre für den 1. FC Lok Leipzig für möglich. «Ich schließe nicht aus, dass demnächst vor leeren Rängen gespielt wird. Ob wir ein Stadion zeitweilig schließen können, müssen wir juristisch prüfen», sagte er im Rathaus.

DFB-Chef Zwanziger, der ebenso wie die Polizei-Gewerkschaften ein hartes Vorgehen gegen die Hooligans und Randalierer forderte, machte unmissverständlich deutlich, dass sich solche Ausschreitungen nicht wiederholen dürfen. «Wir können es nicht hinnehmen, dass die gesamte Bundesliga, die zweite sowie die Regional- und Oberligen unter den obwaltenden Verhältnissen an drei vier Standorten in ein Bild gebracht werden, als sei der deutsche Fußball verseucht. Denn das ist er nicht», sagte der sichtlich aufgebrachte Zwanziger und nannte sichere Stadien, eine funktionierende Fanarbeit und funktionierende Vereinsstrukturen, «die in der Lage sind, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und kein Wischi-Waschi zulassen», als unverzichtbare Voraussetzungen für Spitzenfußball im Osten.


Ostfußball-Chef Hans-Georg Moldenhauer forderte von allen Vereinen, Kommunen und Sicherheitskräften mehr Konsequenz bei der Durchsetzung von Regelungen und Bestimmungen. «Wir haben so oft gesprochen und mit allen Beteiligten konferiert, für mich ist jetzt die Geduld am Ende», sagte Moldenhauer der dpa. Alle ungelösten Punkte wie rechtliche Grundlagen, erweiterte Stadionverbote, polizeiliche Meldepflicht müssten jetzt schnell geklärt werden.

Auch in den unteren Spielklassen gebe es Sicherheitsbestimmungen, «die auch erfüllt werden müssen», meinte Moldenhauer. Dazu müssten alle beitragen. «Wir haben eigentlich alles festgelegt, es muss nur konsequent umgesetzt werden», betonte der Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV). Zwar seien die meist ehrenamtlich geführten unterklassigen Vereine «das schwächste Glied in der Kette», doch auch sie könnten nicht mehr aus der Verantwortung entlassen werden. Zur Lösung der Probleme speziell in den neuen Ländern brauche der Fußball Partner wie Städte, Länder und den Deutschen Fußball-Bund, unterstrich Moldenhauer.

Die Partie zwischen dem Nachfolge-Club des ersten deutschen Meisters (VfB Leipzig) und der zweiten Mannschaft des Zweitligisten Aue sei auf Grund der vorhergehenden Sicherheitsanalyse nicht als Partie mit erhöhtem Risiko eingestuft worden, erklärte der DFB- Sicherheitsbeauftragte und Task-Force-Chef Helmut Spahn. Als Konsequenz aus der fatalen Fehleinschätzung will der DFB nun in «diesen östlichen Bereichen aktiv auf bestimmte Vereine und Regionen zugehen», betonte Spahn. «Unsere Task-Force muss sich hautnah und unmittelbar mit den Begebenheiten dort befassen», forderte Zwanziger.

Dass die verheerenden Randale in Italien, bei denen ein Polizist getötet worden war, Einfluss auf die Krawallmacher in Leipzig gehabt haben könnten, hält Zwanziger für möglich. Eine Teilschuld sieht er daher auch beim DFB. «Nach den Verhältnissen in Italien hätten wir vielleicht damit rechnen müssen, dass einige aus der Hooligan-Szene die Chance suchen und der Weltöffentlichkeit deutlich machen wollen, dass die deutschen Hooligans nicht schlechter sind als die italienischen», sagte er.

«Italienische Verhältnisse dürfen nicht geduldet werden», sagte unterdessen der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, als Reaktion auf die brutale Straßenschlacht in Leipzig, die den deutschen Fußball ein halbes Jahr nach der friedlichen WM in Verruf gebracht hat. «36 verletzte Polizisten sollten Anlass genug sein, um die Täter konsequent zur Rechenschaft zu ziehen. Es ist skandalös, dass die mutmaßlichen Gewalttäter am Sonntag schon wieder auf freien Fuß kamen», sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Wolfgang Speck.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des 1. FC Lok Leipzig, Frank Müller, denkt trotz der erneuten Krawalle nicht an Rücktritt. «Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Das war eine abgesprochene Sache gewaltbereiter Fans», sagte er und kündigte eine Sitzung des Vorstandes und des Aufsichtsrates an. «Ich habe Angst um den Verein», sagte Müller und fordert Hilfe von der Politik, «denn bisher kam nichts».

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