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Neue Sicherheitsdebatte nach Krawallen in Leipzig

Leipzig (dpa) - 12.02.2007, 15:23 Uhr

Ein Polizeibeamter zeigt Steine, die Hooligans auf die Einsatzkräfte geworfen hatten.
Ein Polizeibeamter zeigt Steine, die Hooligans auf die Einsatzkräfte geworfen hatten.

Die Krawalle mit einer brutalen Straßenschlacht in Leipzig haben den Fußball in Deutschland in Verruf gebracht und neue Sicherheitsdiskussionen ausgelöst.

Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sprach nach den Vorkommnissen von einem Skandal und entschuldigte sich zugleich bei den Polizisten. «Ich kann mir auch Stadien vorstellen, in denen kein Fußball mehr gespielt wird», sagte Zwanziger dem Radiosender MDR Info. Der DFB-Chef erwog auch so genannte Geisterspiele vor leeren Rängen wie zuletzt in Italien.

Die Gewerkschaften der Polizei forderten vehement ein härteres Vorgehen gegen die Randalierer. Vereine und Verbände sollen stärker in die Pflicht genommen nehmen. «Italienische Verhältnisse dürfen nicht geduldet werden», sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg. Zwanziger räumte jedoch auch eine Mitschuld ein. «Nach den Verhältnissen in Italien hätten wir vielleicht damit rechnen müssen, dass einige aus der Hooligan- Szene die Chance suchen und der Weltöffentlichkeit deutlich machen wollen, dass die deutschen Hooligans nicht schlechter sind als die italienischen», sagte der DFB-Präsident dem Radiosender.

Am Samstag war es nach einer Begegnung im sächsischen Landespokal zwischen dem 1. FC Lokomotive Leipzig und dem FC Erzgebirge Aue II (0:3) zu schweren Ausschreitungen gekommen. Etwa 800 Hooligans hatten rund 300 Polizisten attackiert; es gab 42 Verletzte.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des 1. FC Lok Leipzig, Frank Müller, denkt trotz der erneuten Krawalle nicht an Rücktritt. «Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Das war eine abgesprochene Sache gewaltbereiter Fans», sagte er und kündigte eine Sitzung des Vorstandes und des Aufsichtsrates an. «Ich habe Angst um den Verein», sagte Müller und fordert Hilfe von der Politik, «denn bisher kam nichts».


Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) kündigte in der «Leipziger Volkszeitung» an, das Problem auf politischer Ebene zu behandeln. Die Polizei gründete eine spezielle Ermittlungsgruppe. Unterdessen haben die Polizei-Gewerkschaften Alarm geschlagen. «36 verletzte Polizisten sollten Anlass genug sein, um die Täter konsequent zur Rechenschaft zu ziehen. Es ist skandalös, dass die mutmaßlichen Gewalttäter am Sonntag schon wieder auf freien Fuß kamen» sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Wolfgang Speck.

«Wenn wir keine Verhältnisse wie in Italien haben wollen, müssen wir enger zusammenarbeiten», forderte der DPolG-Chef von Vereinen, dem DFB, der Politik und Polizei. Es müsse mehr Überwachung geben, Stadionverbote sollten zur Regel werden.

Fan-Forscher Gunter A. Pilz sieht in den Ausschreitungen «eine neue Dimension». «Ich fürchte, dass das italienische Vorbild ein bisschen herüber geschwappt ist und die Leipziger Hooligans in besonderer Weise mobilisiert hat», sagte der Professor für Soziologie in einem dpa-Gespräch. «Zum Fußball gehört auch eine Geisteshaltung, die nicht in eine Richtung geht, wie es am Samstag in Leipzig passiert ist», betonte Zwanziger.

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