Ex-DDR-Coach Buschner ist tot
Jena (dpa) - 12.02.2007, 15:53 Uhr
Georg Buschner 2005 am Rande einer Talksendung in Leipzig.
Georg Buschner, der beim historischen 1:0-Sieg über den späteren Weltmeister Bundesrepublik Deutschland Chefcoach der DDR- Nationalmannschaft war, ist im Alter von 81 Jahren in Jena gestorben. Viele halten die ostdeutsche Trainer-Legende Buschner indirekt für den «WM-Titel-Macher» '74, denn nach der Vorrunden-Niederlage im deutsch-deutschen Duell durften Franz Beckenbauer und Co. den leichteren Weg ins Finale gehen. Buschner, der in insgesamt 115 Länderspielen als Cheftrainer an der Linie stand, war «vor allem für seine Konsequenz» bekannt und gefürchtet. «Er hat die DDR in den 70er Jahren mit etwas ungewöhnlichen Trainingsmethoden zumindest an die Weltspitze heran geführt», sagt Lothar Kurbjuweit, der als Aktiver beim 1:0 in Hamburg dabei war. «Er hat den Spielern stets alles abverlangt», erinnert sich der damalige Torschütze Jürgen Sparwasser. Buschner wusste nicht nur bei der WM 1974 um die besondere Rolle seines Teams: «Wir waren eine ungeliebte Nationalmannschaft» - selbst im eigenen Land jubelten viele Fans lieber Deutschland West zu.
«Ich habe weniger Spiele für die DDR verloren als alle anderen Trainer zusammen - 60 Siege, 33 Unentschieden, 22 Niederlagen», hatte Buschner, von seinen Freunden «Schorsch» genannt, dennoch immer wieder stolz auf seine Bilanz verwiesen. Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) waren lediglich Sepp Herberger (162) und Helmut Schön (139) zu mehr Länderspielen als Nationalcoach gekommen. 1970 war Buschner nach drei Meistertiteln mit dem SC Motor Jena von den Sportfunktionären der DDR «bei Androhung meines Existenzverlustes», wie er später berichtete, zur Übernahme der DDR-Auswahl gedrängt worden. Der sechsmalige DDR-Nationalspieler, der Frau Sonja und zwei Söhne hinterlässt, holte als Trainer 1976 mit dem Olympiasieg im kanadischen Montréal den größten Erfolg. «Der DDR-Fußball war nie mit mehreren Ausnahmekönnern gesegnet. Deshalb wurde der Fußball auch ständig drangsaliert von den Machthabern», hatte Buschner einst erklärt. Während andere Sportarten mit Goldmedaillen in Serie das Ansehen des «Arbeiter- und Bauernstaates» heben sollten, blieb der Fußball international zweitklassig, weil die größten Talente Ruderer, Kanuten, Schwimmer und Leichtathleten wurden. |
Nach einem 2:3 gegen Polen und der damit wieder verpassten WM- Qualifikation im Oktober 1981 war für Buschner, der sich auch mit dem mächtigen Sportchef Manfred Ewald anlegte, plötzlich Schluss. Von seiner Entlassung erfuhr er aus dem Westfernsehen und meinte: «Ich war schon lange fällig.» Für die Trainer-Legende war es die schwärzeste Stunde seines Lebens überhaupt, «weil es eine Gruppe von Politikern im Suff vielleicht so gesehen hat. Als ich zuvor tausend Mal gehen wollte, durfte ich nicht.» Nach einer Herzoperation wurde Buschner dauerhaft krankgeschrieben, obwohl er sich noch gesund fühlte: «Das war wie ein Berufsverbot.» Eine Chance in der Bundesliga bekam Buschner nie. Nach dem legendären 1:0 im deutsch-deutschen Duell 1974 wurden Anfragen «aus dem Westen» von den Funktionären abgeblockt. Nach der Wende zog sich der einstige knallharte Verteidiger und kompromisslose Coach, bei dem auch die Bundesliga-Trainer Hans Meyer und Jörg Berger gelernt hatten, aus dem Fußball-Geschäft zurück. «Wenn heute über Fußball geschrieben und geredet wird, dreht sich nur noch ein Prozent um das Spiel. Das ganze restliche Drumherum interessiert mich nicht», hatte der Thüringer dies begründet.
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