UEFA-Pokal: Nur zwei DFB-Clubs in Gruppenphase
Hamburg (dpa) - 29.09.2006, 14:05 Uhr
Ernste Gesichter bei Schalkes Trainer Mirko Slomka (r) nach dem Abpfiff in Nancy.
Die Fußball-Bundesliga stagniert international auf schwachem Niveau - mit Hertha BSC und dem FC Schalke 04 blieben wie im Vorjahr zwei deutsche Clubs bereits in der ersten Runde des UEFA- Pokals auf der Strecke. Nach dem Ausscheiden ausgerechnet der beiden Vorzeige-Clubs ist eine baldige Rückkehr der deutschen Eliteklasse unter die Top 4 der UEFA-Fünfjahres-Wertung nahezu ausgeschlossen. In der lukrativen Gruppenphase der «Zweiten Liga Europas» ist der deutsche Fußball sogar erstmals nur noch mit zwei Teams vertreten: Dem krassen Außenseiter Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen. Schwerer noch als der schmachvolle K.o. durch das 1:3 bei AS Nancy wog für Schalke die böse Verletzung Gerald Asamoahs, der nach einem Schien- und Wadenbeinbruch rund ein halbes Jahr pausieren muss. «Das ist ein ganz bitterer Tag für uns. Wir sind international nicht mehr im Rennen. Dazu die schwere Verletzung von Gerald. Das war für alle ein Schock», sagte Trainer Marko Slomka.
Nach den Turbulenzen um die vorübergehende Suspendierung Asamoahs, der «Maulwurf»-Affäre und der von Kapitän Marcelo Bordon zusätzlich angeheizten Dauerdiskussion um die angeblich zerstrittene Mannschaft folgte nun beim Tabellen-Vierten der französischen Meisterschaft der sportliche und finanzielle Rückschlag. Zwangsläufig, sagen die Kritiker. «Das hat damit nichts zu tun», behauptet Andreas Müller. Der Manager glaubt nicht, «dass diese Dinge die Spieler so beeinflusst haben, dass sie dann Fehlpässe spielen, unkonzentriert und überhaupt nicht präsent sind». Die Auswirkungen der Pleite sind noch nicht absehbar. Sicher ist, dass dem klammen Revierclub rund drei Millionen Euro fehlen, die als Einnahme aus der Gruppenphase fest eingeplant waren. Das Erreichen eines Champions-League-Platzes wird damit immer mehr zur Pflicht. |
Auch Hertha BSC erwies sich als nicht reif genug, um gegen Odense BK bestehen zu können. «Es ist aus sportlicher Sicht natürlich enttäuschend. Weitere internationale Spiele wären wichtig gewesen für die junge Truppe», sagte Trainer Falko Götz nach dem 0:1 in Dänemark bedauernd. Jetzt gehe es darum, national «etwas zu reißen». Dieter Hoeneß hatte Mühe seinen Ärger über die 23. Niederlage im 80. Europacup-Spiel der Berliner zu verbergen. «Das ist ein Rückschlag, aber vielleicht im richtigen Moment», erklärte der Manager. 60 Sekunden zittern musste Bayer Leverkusen, ehe Carsten Ramelow mit seinem Tor zum 2:1 gegen den FC Sion (3:1) die Weichen zum Weiterkommen stellte. Ein Erfolg, der Trainer Michael Skibbe völlig abheben ließ. «Das wollen wir gern sehen - eine Mannschaft, die richtig geil Fußball spielen kann», schwärmte er und nannte die Gruppenphase des UEFA-Cups die «schönste Herausforderung, die man haben kann». Skibbe verkannte in seinem Überschwang, dass der Schweizer Pokalsieger bei Bayers 115. Europacup-Auftritt alles andere als ein übermächtiger Gegner war. Am souveränsten nahm ausgerechnet Pokal-Finalist Eintracht Frankfurt bei seinem Europacup-Comeback nach zwölf Jahren die erste Hürde. «Das ist ein schönes Zubrot für uns, aber das Wichtigste bleibt die Bundesliga», richtete Trainer Friedhelm Funkel den Blick nach der ersten Euphorie über das 2:2 bei Bröndby Kopenhagen gleich wieder nach vorne. Ausgerechnet die einst als «launische Diva vom Main» verschriene Eintracht ist nach acht Pflichtspielen ohne Niederlage urplötzlich zum Hoffnungsträger des deutschen Fußballs auf internationalem Parkett geworden.
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