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Weltenbummler Gutendorf feiert 80. Geburtstag

Koblenz (dpa) - 30.08.2006, 10:28 Uhr

Rudi Gutendorf vor seinem Haus im Westerwald.
Rudi Gutendorf vor seinem Haus im Westerwald.

Auch mit 80 Jahren zieht es Fußball-Missionar Rudi Gutendorf noch in die Ferne. 56 Stationen, von Antigua bis Zimbabwe, hat der Globetrotter bereits hinter sich. Weltrekord.

Um sein Leben bangte Gutendorf beim Regierungssturz in Chile, in Ruanda vereinte er auf und neben den Fußball-Feldern verfeindete Stämme. Auch zu seinem 80. Geburtstag, den er mit ehemaligen deutschen Weltmeistern und «auch ein bisschen Wehmut» in Koblenz feiern will, hat Riegel-Rudi noch große Pläne. «Israel und Palästina auf sportlicher Basis vereinen, ein FC Jerusalem. Das wäre noch ein Traum», sagte Gutendorf in einem dpa-Gespräch: «Was sture und versteinerte Politiker nicht schaffen können, erreicht der Fußball.»

Er muss es wissen. Beispiel Ruanda: «Mein wertvollster Beitrag aller 56 Stationen», betont Gutendorf. «Die Volksstämme Tutsi und Hutu zerstückelten sich mit Macheten», schildert er im Rückblick auf seine 54. Station Ende der 90er Jahre. «Wir haben uns dann nach jedem Training am Lagerfeuer zusammen gesetzt, das Fleisch habe ich selbst bezahlt», erzählt Gutendorf, für den der Fußball vor allem Mittel für ein gemeinsames Miteinander ist. Und als Ruanda dann in der WM- Qualifikation der Elfenbeinküste ein 2:2 abtrotzte und Kenia im Afrikapokal bezwang, «da gab es keine Unterscheidung in Tutsi und Hutu mehr». Das ist es, was Gutendorf glücklich macht. «Ich habe in Ruanda gezeigt, was der Fußball bewegen kann.»

Und das macht(e) Gutendorf, der jeden Tag zwei Kilometer joggt, rastlos. Einst Rechtsaußen des damaligen Oberligisten TuS Neuendorf, der später zum TuS Koblenz wurde, beendete Gutendorf seine aktive Laufbahn 1953. Ein Jahr später machte er die Trainerlizenz - gleichzeitig das Ticket in die weite Welt. Doch bevor Gutendorf die fußballerischen Exoten-Nationen bereiste, machte er sich in Deutschland einen Namen. Es war in der Saison 1963/1964: Mit der so genannten Riegel-Taktik - alle stürmen, alle verteidigen - hievte er den Meidericher SV in der ersten Bundesliga-Saison auf den zweiten Rang.

Doch war das für «Riegel-Rudi» nicht der größte Erfolg. «Das war beim FC Schalke 04, als ich den Verein auf dem vorletzten Platz in der Winterpause übernahm und wir die beste Rückrunde aller Mannschaften spielten. Darauf bin ich besonders stolz», betont Gutendorf. Mit den Knappen erreichte er auch das DFB-Pokalfinale und das Endspiel im Europapokal der Pokalsieger.


Duisburg (ehemals Meidericher SV), Schalke, der VfB Stuttgart, Kickers Offenbach, Tennis Borussia Berlin und der Hamburger SV waren seine weiteren Stationen in Deutschland. Insgesamt trainierte Gutendorf in 28 Ländern, darunter in Afrika, aber auch in Japan und China. «So 100, 200 Worte kann ich in diesen Ländern. Die Menschen schätzen es, wenn man Interesse auch an ihrer Sprache zeigt», sagt Gutendorf, der ansonsten «ganz gut» englisch, französisch und spanisch spricht» und die Bedeutung von Sprachen auch seinem 16- jährigen Sohn Fabian vermitteln will. «Sie sind sehr wichtig», betont Gutendorf, der sich selbst mit einem Schmunzeln als «leider viel zu weichen» Vater bezeichnet. In der Pubertät sei er hingegen auch nicht so «pflegeleicht» gewesen.

Gutendorfs Sprachrohr ist außerhalb der Familie der Fußball. 460 000 Euro sammelte er für karitative Zwecke in den vergangenen viereinhalb Jahren mit seiner Prominentenauswahl ein, der unter anderem 54-Weltmeister Horst Eckel («Er will sich nie auswechseln lassen») oder 74er-Titelträger Wolfgang Overath angehören. Bei der WM war der Bundesverdienstkreuz-Träger (1997) und Buchautor Gutendorf als Botschafter des Landes Rheinland-Pfalz im Einsatz.

Die Begeisterung, die bei der WM herrschte, beeindruckte auch ihn. Ebenso wie das, was Ex-Nationalcoach Jürgen Klinsmann leistete: «Eine Bombenarbeit», lobt Gutendorf. Allerdings nicht ohne auch mit dem Abtrünnigen hart ins Gericht zu gehen. «Dass er Schluss gemacht hat, finde ich persönlich feige. Ich hätte die Mannschaft nicht im Stich gelassen.» Vielleicht liegt ihm deswegen schon wieder ein Angebot vor - aus Samoa.

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