Spieler der Nationalmannschft laufen im Oktober beim Training in Istanbul.
Die Bundesliga erlebt einen «Baby-Boom», und auch in der Nationalmannschaft ist Jugend Trumpf.
Lukas Podolski, Per Mertesacker, Marcell Jansen, Bastian Schweinsteiger, Lukas Sinkiewicz, Robert Huth - gleich sechs Talente der Jahrgänge 1984 bis 1986 dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf eine Nominierung für die Weltmeisterschaft im eigenen Land machen. Bei der WM 1998 in Frankreich sah das noch anders aus: Mit 24 Jahren war damals Jens Jeremies jüngster Spieler im Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
«Für die jetzigen jungen Talente kommt die WM 2006 generell nicht zu früh», ist Wolfgang Overath, Präsident des 1. FC Köln, überzeugt. Erklärungen für den neuen Jugendstil gibt es viele. «Bundestrainer Jürgen Klinsmann musste auf junge Spieler setzen, weil die Spieler der Völler-Ära über ihrem Zenit waren», meint Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. U-21-Nationalcoach Dieter Eilts wiederum hat einen Sinneswandel bei den Jung-Stars festgestellt: «Die heutige Generation arbeitet ganz zielorientiert und will sich weiterentwickeln.»
Doch auch strukturelle Weichenstellungen des DFB haben erste Früchte getragen. Seit der Saison 2000/2001 müssen alle Vereine der 1. und 2. Liga Nachwuchs-Leistungszentren vorweisen. Zudem profitieren die Clubs von dem unter Federführung des heutigen Bayer- Trainers Michael Skibbe entwickelten Talentförderprogramm.
Während als Konsequenz des Bosman-Urteils der Ausländeranteil in der deutschen Eliteliga Ende der 90er Jahre auf rund 60 Prozent gestiegen und Energie Cottbus im April 2001 als erster Profi-Verein ohne einen einzigen deutschen Spieler angetreten war, besinnen sich die Clubs nun auf den eigenen Nachwuchs. «Eine Zeit lang waren Brasilianer in, dann Osteuropäer. Jetzt sind die jungen deutschen Spieler mehr ins Bewusstsein gerückt», sagt Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs.
Dieser «Baby-Boom» setzte in der vergangenen Hinrunde insbesondere bei Borussia Dortmund ein. «Einige müssen sich noch nicht einmal rasieren», scherzte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke über die mit einem Altersdurchschnitt von gerade einmal 22 Jahren «jüngste Bundesliga-Mannschaft des Jahrtausends». Der Revier-Club hat in dem 17 Jahre alten Nuri Sahin zudem das nach Einschätzung von Arsenal- Coach Arsene Wenger «weltweit größte Talent» in seinen Reihen.
«Man kann schon jetzt spüren, über welche Qualitäten wir demnächst verfügen werden», sagt Trainer Bert van Marwijk über seine «Krabbelgruppe». Doch auch bei vielen anderen Erstligisten hat ein Umdenken eingesetzt, teils aus Überzeugung, teils aus finanziellen Sachzwängen heraus. «Man macht gezwungenermaßen aus der Not eine Tugend und nennt es Strategie oder Konzept», erläutert René C. Jäggi, Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern, diesen Trend.
Ob Podolski in Köln, Stefan Kießling in Nürnberg oder Eugen Polanski in Mönchengladbach - die Youngster gelten längst nicht mehr als bloßes Faustpfand für die Zukunft, sondern sind schon jetzt Schlüsselspieler in ihren Clubs. «Vor allem bei kleineren Vereinen hängt die Existenz stark von der Nachwuchsarbeit ab», meint Schalkes Manager Rudi Assauer.