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Jahrzehnte für den Fußball: Georg Buschner wird 80

Jena (dpa) - 26.12.2005, 13:24 Uhr

Georg Buschner schaut bei einer Talksendung im Dezember in die Kamera.
Georg Buschner schaut bei einer Talksendung im Dezember in die Kamera.

Georg Buschners Name ist ganz eng mit dem 1:0-Vorrundensieg bei der WM 1974 über den späteren Weltmeister Deutschland verbunden ist. Am zweiten Weihnachtsfeiertag feiert er 80. Geburtstag.

Buschner ist auch in «weisen Alter» ein Freund der klaren Worte geblieben. «Ich bin der Letzte, der darüber redet, dass früher alles besser war. Aber wenn heute über Fußball geschrieben und geredet wird, dreht sich nur noch ein Prozent um das Spiel. Das ganze restliche Drumherum interessiert mich und wohl auch die meisten Fans nicht. Das eigentliche Spiel hingegen sehr», sagt der vitale Thüringer. Seit fast 70 Jahren dreht sich Buschners Leben nur um den Fußball.

Das eine Prozent der Fußball-Show gefällt «Schorsch», wie ihn Freunde und Bekannte seit jeher rufen, aber sehr. «Das Spiel ist schneller und athletischer geworden und hat sich genau so entwickelt, wie ich es erwartet habe», betont Buschner. Seit Beginn seiner Trainerlaufbahn hat er in die Richtung gearbeitet. «Ich war einer der Wegbereiter der Entwicklung», bemerkt er mit Selbstzufriedenheit.

Dass er als Aktiver sechs Länderspiele zwischen 1954 und 1957 absolvierte, ist für ihn eine Randnotiz. Stolz ist der diplomierte Pädagoge, Geschichts- und Sportwissenschaftler auf seine Leistungen als Trainer. Den SC Motor Jena - später FC Carl Zeiss Jena - führte er zu den Meistertiteln 1963, 1968 und 1970. In dem Jahr wurde er zum Auswahltrainer berufen, was der Heimat verbundene Buschner nie werden wollte. «Hätte ich Nein gesagt, wäre ich auch in Jena gefeuert worden», erinnert sich der Mann, der in Jena «Graf» genannt wurde.

Der Verpflichtung folgten in elf Jahren 115 Spiele mit der DDR- Auswahl (60 Siege, 33 Unentschieden, 22 Niederlagen). «So erfolgreich wie ich war weder vor- noch nachher ein anderer Trainer in Wertungsspielen. Freundschaftsspiele zählen für mich dabei nicht», betont Buschner, der wegen seiner Konzentration der Auswahlspieler in Jena - 1970 setzte er beim 5:0-Länderspielsieg gegen den Irak zwölf Jenaer Spieler ein - auch heftig angefeindet wurde.


Als seinen größten Erfolg sieht er nicht das 1:0 in der WM-Vorrunde 1974 in Hamburg gegen Beckenbauer und Co. an, sondern den Olympiasieg 1976 in Montréal. «Da haben wir in der Qualifikation die CSSR ausgeschaltet, die wenig später mit gleicher Mannschaft Europameister wurde. Und im Olympia-Finale besiegten wir Polen, das mit identischer Mannschaft zwei Jahre vorher WM-Dritter geworden war», begründet Buschner, der nach eigener Auffassung «eine ungeliebte Nationalmannschaft», führte, «weil wir stets die Rolle als Repräsentanten der DDR betonen mussten und deswegen unser Ansehen beim Publikum sank».

Mindestens eben so erfolgreich war Buschner, der 1974 und 1976 Angebote aus der Bundesliga ablehnen musste, als Lehrmeister einer ganzen Generation von Trainern. Seinem «Meisterschüler» Hans Meyer hat er Härte beigebracht. Jörg Berger, von dessen Plänen, sich in den Westen abzusetzen, er vorher wusste, sowie Hans-Ulrich Thomale oder Bernd Stange waren bei ihm Co-Trainer. Von der heutigen Generation hält Buschner relativ wenig. «Wissenschaftlich fehlt viel, dafür sind 90 Prozent Schaumschläger», formuliert er drastisch. Dass aber Hans Meyer nicht zu den 90 Prozent gehört, hebt er ausdrücklich hervor.

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