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Rapolder muss als 300. Trainer gehen

Köln/Bielefeld (dpa) - 18.12.2005, 14:47 Uhr

Uwe Rapolder wendet sich fassungslos ab.
Uwe Rapolder wendet sich fassungslos ab.

Mit der Radikal-Lösung will der 1. FC Köln den vierten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga verhindern.

Nur 20 Stunden nach dem Rücktritt von Manager Andreas Rettig gab Clubchef Wolfgang Overath Trainer Uwe Rapolder als das zweite personelle Opfer der dramatischen sportlichen Schieflage des Fußball-Clubs bekannt. Der 47-jährige Fußball-Lehrer muss als 300. Erstliga- Coach seit 1963 vorzeitig gehen.

«Der wichtigste Grund ist, dass ich das Gefühl hatte, die Mannschaft steht nicht zu 100 Prozent hinter dem Trainer», kommentierte Overath die über Nacht gefällte Entscheidung. Sie sei ihm «sehr, sehr schwer gefallen, weil ich nach wie vor von Uwe Rapolder überzeugt bin.» Jetzt will Overath in aller Eile zunächst einen neuen Manager finden und dann den Rapolder-Nachfolger präsentieren.

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Die Situation sei mit dem 2:3 bei Arminia Bielefeld eskaliert, meinte Overath: «Dann habe ich Uwe Rapolder heute Morgen gesagt, dass wir in dieser Situation einen Neuanfang starten müssen.» Der frei gestellte Chefcoach habe die telefonische Nachricht von seiner Beurlaubung «ziemlich gefasst aufgenommen», schilderte der FC- Präsident seinen Eindruck.

«Es gibt konkrete Vorstellungen, aber Namen gibt es noch keine», sagte Overath zu den Eilplanungen bei der Manager- und Trainer-Suche. Der neue Coach habe nur eine einzige Aufgabe: «Es geht für ihn nur darum, drin zu bleiben.» Der vierte Abstieg der FC-Profis träfe Köln und das Umfeld im Mark: «Wenn wir den Klassenverbleib nicht schaffen, wäre das eine ganz, ganz schwierige Situation.» Die Mannschaft habe das Potenzial und soll nach den Vorstellungen der neuen sportlich Verantwortlichen «mit einem kalkulierbaren Risiko» schon für die Rückrunde verstärkt werden.


Overath wies es energisch von sich, rund um das Geißbockheim herrsche das Chaos: «Wir sind noch handlungsfähig, hier ist kein Chaos ausgebrochen.» Die Mannschaft allerdings präsentierte sich in der Bielefelder SchücoArena zeitweise in einem desolaten Zustand und zwang den Vorstand nach der schlechtesten Hinrunden-Bilanz in der 1. Liga zum Handeln. Zwölf Mal hintereinander ohne Sieg, das Überwintern auf einem Abstiegsplatz - Rapolder hatte es kommen sehen: «Die Entwicklung des heutigen Tages hat mich nicht mehr überrascht. Ich bedaure natürlich diese Entwicklung, da ich gerne in Köln weitergemacht hätte. Ich habe hier in den letzten Monaten alles versucht, um mit dieser Mannschaft Erfolg zu haben.»

Rettig hatte zu diesem Zeitpunkt längst hingeworfen und die Verantwortung für die niederschmetternde Situation übernommen: «Es ist für mich eine Frage des Verantwortungsbewusstseins.» Er hatte mit Overath den Schwaben Rapolder in Bielefeld los geeist und damit nach dem Aufstieg bei Fans und Umfeld geradezu Euphorie ausgelöst. Doch seit dem 17. September und dem 2:1 gegen Mönchengladbach blieben Siege aus, der Sturz in die Abstiegsregion konnte auch angesichts einer Verletzten-Misere nicht verhindert werden. «Das ist schwer zu ertragen», kommentierte Rapolder die Pleiten-Serie. Und: «Ich könnte nicht sagen, was ich falsch gemacht hätte.»

Overath betonte mehrfach, wie hoch er die Qualitäten seines einstigen Wunschtrainers einschätzt: «Ich halte ihn nach wie vor für einen exzellenten Trainer.» Doch einen Fehler wie den der damaligen Club-Führung, die Ewald Lienen erst am 28. Januar 2002 ablöste und zu spät durch Friedhelm Funkel ersetzte, wollte diesmal keiner begehen: Damals stand am Ende der zweite Abstieg. Den drohenden nächsten will der FC mit aller Macht verhindern: «Es kann sein, dass diese Entscheidung zu spät kommt. Aber ich glaube, wir können es schaffen», sagte Overath.

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